Mehrere Zukünfte statt einer Prognose
Die Szenariotechnik unterscheidet sich von einer Prognose in einer Annahme: Sie geht nicht von der Zukunft aus, sondern von mehreren möglichen. Gausemeier und Pfänder nennen als ihre beiden Grundlagen vernetztes Denken und multiple Zukunft. Für die Planung heißt das, dass nicht die wahrscheinlichste Entwicklung gesucht wird, sondern ein Satz von Entwicklungen, gegen die sich eine Entscheidung behaupten muss.
Die drei Phasen
In der Szenariofeld-Analyse wird das Untersuchungsfeld in Einflussbereiche zerlegt — etwa das ökonomische, gesellschaftliche und technologische Umfeld — und für diese Bereiche werden konkrete Einflussfaktoren definiert. Über Einfluss- und Relevanzanalyse werden daraus die Schlüsselfaktoren bestimmt: Aus einer Menge von 50 bis 100 Einflussfaktoren bleiben nach Gausemeier und Pfänder rund 20 übrig.
Die Szenario-Prognostik ist der eigentliche Blick in die Zukunft. Je Schlüsselfaktor werden charakteristische Entwicklungen mit festgelegtem Zeithorizont erarbeitet; diese Zukunftsprojektionen sind das Material der nächsten Phase.
Die Szenario-Bildung verbindet die Projektionen. Eine paarweise Bewertung ihrer Konsistenz — die Konsistenzanalyse — liefert die Grundlage für die Berechnung der Szenarien. Geprüft wird dabei, wie plausibel das gemeinsame Auftreten zweier Projektionen ist.
Was das für die Fabrikplanung bedeutet
Eine Fabrik wird für einen Zeitraum gebaut, über den sich Mengen, Varianten und Technologien verändern. Die Szenariotechnik liefert dafür die Lastfälle: nicht ein Mengengerüst, sondern mehrere, die auseinanderlaufen. Eine Variante, die nur in einem Szenario trägt, ist damit als Risiko erkennbar, bevor sie gebaut ist.
Die Verdichtung in Phase 1 entscheidet über den Wert des Ergebnisses. Wer die Schlüsselfaktoren falsch wählt, erhält konsistente Szenarien über die falschen Fragen.
Einordnung
Die Mengen- und Kapazitätsseite dieser Lastfälle behandeln Mengengerüst und Kapazitätsplanung. Wie sich Varianten planerisch vergleichen lassen, beschreibt die Layoutplanung; die Ebenen, auf denen entschieden wird, die Werkstrukturplanung.
Quelle
Gausemeier, J.; Pfänder, T. (2009): Strategische Unternehmensführung mit Szenario-Management. Abschnitt 3.3 zur Szenario-Technik.
Szenariotechnik in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.