Glossar

Szenariotechnik in der Fabrik- und Strategieplanung

Die Szenariotechnik entwickelt mehrere konsistente Zukunftsbilder statt einer Prognose — in drei Phasen von den Einflussfaktoren bis zum fertigen Szenario.

Mehrere Zukünfte statt einer Prognose

Die Szenariotechnik unterscheidet sich von einer Prognose in einer Annahme: Sie geht nicht von der Zukunft aus, sondern von mehreren möglichen. Gausemeier und Pfänder nennen als ihre beiden Grundlagen vernetztes Denken und multiple Zukunft. Für die Planung heißt das, dass nicht die wahrscheinlichste Entwicklung gesucht wird, sondern ein Satz von Entwicklungen, gegen die sich eine Entscheidung behaupten muss.

Die drei Phasen

Phase 1Szenariofeld-Analyse Einflussbereiche zerlegen,Schlüsselfaktoren bestimmen Phase 2Szenario-Prognostik je SchlüsselfaktorZukunftsprojektionen Phase 3Szenario-Bildung Konsistenzanalyse,daraus die Szenarien 50 bis 100 Einflussfaktoren → rund 20 Schlüsselfaktoren Die Verdichtung in Phase 1 entscheidet, worüber die Szenarien überhaupt etwas aussagen. Grundlage der Technik ist vernetztes Denken und die Annahme mehrerer möglicher Zukünfte.
Vorgehen der Szenario-Technik — eigene Darstellung nach Gausemeier und Pfänder (2009), Abschnitt 3.3.3.

In der Szenariofeld-Analyse wird das Untersuchungsfeld in Einflussbereiche zerlegt — etwa das ökonomische, gesellschaftliche und technologische Umfeld — und für diese Bereiche werden konkrete Einflussfaktoren definiert. Über Einfluss- und Relevanzanalyse werden daraus die Schlüsselfaktoren bestimmt: Aus einer Menge von 50 bis 100 Einflussfaktoren bleiben nach Gausemeier und Pfänder rund 20 übrig.

Die Szenario-Prognostik ist der eigentliche Blick in die Zukunft. Je Schlüsselfaktor werden charakteristische Entwicklungen mit festgelegtem Zeithorizont erarbeitet; diese Zukunftsprojektionen sind das Material der nächsten Phase.

Die Szenario-Bildung verbindet die Projektionen. Eine paarweise Bewertung ihrer Konsistenz — die Konsistenzanalyse — liefert die Grundlage für die Berechnung der Szenarien. Geprüft wird dabei, wie plausibel das gemeinsame Auftreten zweier Projektionen ist.

Was das für die Fabrikplanung bedeutet

Eine Fabrik wird für einen Zeitraum gebaut, über den sich Mengen, Varianten und Technologien verändern. Die Szenariotechnik liefert dafür die Lastfälle: nicht ein Mengengerüst, sondern mehrere, die auseinanderlaufen. Eine Variante, die nur in einem Szenario trägt, ist damit als Risiko erkennbar, bevor sie gebaut ist.

Die Verdichtung in Phase 1 entscheidet über den Wert des Ergebnisses. Wer die Schlüsselfaktoren falsch wählt, erhält konsistente Szenarien über die falschen Fragen.

Einordnung

Die Mengen- und Kapazitätsseite dieser Lastfälle behandeln Mengengerüst und Kapazitätsplanung. Wie sich Varianten planerisch vergleichen lassen, beschreibt die Layoutplanung; die Ebenen, auf denen entschieden wird, die Werkstrukturplanung.

Quelle

Gausemeier, J.; Pfänder, T. (2009): Strategische Unternehmensführung mit Szenario-Management. Abschnitt 3.3 zur Szenario-Technik.

Szenariotechnik in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.

FAQ

Häufige Fragen

Worin unterscheidet sich die Szenariotechnik von einer Prognose?

Eine Prognose sucht die wahrscheinlichste Entwicklung, die Szenariotechnik entwickelt mehrere konsistente Zukunftsbilder. Gausemeier und Pfänder nennen als Grundlagen vernetztes Denken und die Annahme einer multiplen Zukunft.

Wie viele Faktoren gehen in ein Szenario ein?

Aus einer Menge von 50 bis 100 Einflussfaktoren werden in der Szenariofeld-Analyse rund 20 Schlüsselfaktoren bestimmt. Dafür dienen die Einfluss- und die Relevanzanalyse.

Was leistet die Konsistenzanalyse?

Sie bewertet paarweise, wie plausibel das gemeinsame Auftreten zweier Zukunftsprojektionen ist. Aus dieser Bewertung werden die Szenarien berechnet.