Die Ebene, auf der Werkstrukturplanung stattfindet
Werkstrukturplanung ist keine eigene Methode, sondern eine Planungsebene. VDI 5200 Blatt 1 unterscheidet in der Fabrikplanung fünf Ebenen zunehmender Größe. Die Werkstrukturplanung arbeitet auf der vierten.
Die Richtlinie beschreibt das Werk als örtlich-räumlich geschlossenen Produktionsbereich mit definierten Produktionsaufgaben an einem Standort. Ein Werk kann mehrere Gebäude aufweisen; hinzu kommen interne Wegnetze, Außenanlagen sowie die Anbindung an die werksexterne Infrastruktur. Genau das ist der Gegenstand der Werkstrukturplanung.
Was zur Werkstruktur gehört
VDI 5200 Blatt 1 ordnet die Werkstrukturplanung dem Planungsbereich der Fabrik- und Produktionsplanung zu — der Fabrikplanung im engeren Sinn. Zu deren Inhalten zählt die Richtlinie ausdrücklich:
- die Planung der Werkstruktur mit Gebäuden und Außenanlagen,
- die Werksanbindung an die externe Infrastruktur,
- bei mehreren Standorten die Strukturierung eines Fabrikverbunds, also die Festlegung der standortübergreifenden Produktionsordnung.
Dazu kommen die zur Produktion gehörigen Funktionen von Wareneingang bis Versand samt den produktionsunterstützenden Hilfsfunktionen, etwa der Instandhaltung.
Strukturplanung als Arbeitsschritt
Innerhalb der Konzeptplanung führt die Richtlinie die Strukturplanung als eigenen Schritt. Sie dient nach Abschnitt 5.3.1 der Festlegung der funktionalen und organisatorischen Einheiten der betrachteten Planungsebenen mit ihren wechselseitigen Beziehungen.
Der zweite Halbsatz trägt das Gewicht. Eine Werkstruktur ist nicht die Liste der Gebäude, sondern die Menge ihrer Beziehungen: Welcher Bereich beliefert welchen, welche Wege entstehen daraus, welche Nachbarschaften sind erwünscht und welche verboten. Wer nur Flächen zuweist, hat noch keine Struktur geplant.
Eine zweite Ebeneneinteilung — und was der Unterschied bedeutet
Die Fünfteilung der Richtlinie ist nicht die einzige gebräuchliche. Wiendahl, Reichardt und Nyhuis gliedern die Gestaltung einer Produktionsstätte im Handbuch Fabrikplanung in vier Ebenen: Arbeitsplatz, Arbeitsbereich, Gebäude und Standort — und ordnen ihnen je nach Ebene strategische, funktionale und arbeitsorganisatorische Gestaltungsfelder zu.
Der Unterschied zur Richtlinie ist aufschlussreich. VDI 5200 endet oben beim Produktionsnetz und trennt Werk und Gebäude; das Handbuch endet beim Standort und fasst dafür Segment und Arbeitsbereich zusammen. Wer beide Systematiken in einem Projekt mischt, redet an einer Ebene vorbei — die Zuordnung gehört deshalb zu Projektbeginn geklärt, nicht in die Diskussion über Varianten.
Das Handbuch legt seine Ebenen ausdrücklich unter dem Gesichtspunkt der Wandlungsfähigkeit aus: Die Frage ist nicht nur, wie eine Ebene heute gestaltet wird, sondern welche Veränderungen auf ihr später möglich bleiben sollen.
Eine dritte Einteilung kommt von Schenk, Wirth und Müller. Ihre Fabrikplanung und Fabrikbetrieb gliedert die Planungsobjekte und Planungsebenen in fünf Strukturen: Arbeitsplatzstruktur, Bereichsstruktur, Gebäudestruktur, General- und Standortstruktur sowie (Unternehmens-)Netzstruktur. Sie zählt damit ebenfalls fünf Ebenen wie VDI 5200, schneidet sie aber anders: General- und Standortstruktur fasst zusammen, was die Richtlinie als Werk führt, und die Netzstruktur bezieht das Unternehmen ein, nicht nur die Produktion.
Drei gebräuchliche Systematiken, drei verschiedene Schnitte — das ist kein Mangel der Fachliteratur, sondern eine Folge unterschiedlicher Planungszwecke. Für ein Projekt heißt es nur, dass die verwendete Einteilung zu benennen ist.
Quellen: Wiendahl, H.-P.; Reichardt, J.; Nyhuis, P. (2014): Handbuch Fabrikplanung. 2. Auflage, Hanser. — Schenk, M.; Wirth, S.; Müller, E. (2014): Fabrikplanung und Fabrikbetrieb. 2. Auflage, Springer; die Fünfteilung ist dort die Gliederung von Abschnitt 5.2.
Abgrenzung nach oben und unten
Die Ebenensystematik liefert die Abgrenzung gleich mit:
- Unterhalb der Werkebene liegt die Layoutplanung — die Anordnung innerhalb von Gebäude, Segment und Arbeitsplatz (Ebenen I bis III).
- Oberhalb liegt das Produktionsnetz (Ebene V), der Verbund mehrerer Standorte. Dort geht es um die Standortfrage, nicht mehr um die Struktur eines einzelnen Werks.
Die Flächen, mit denen auf jeder Ebene gerechnet wird, beschreibt der Begriff Flächenarten in der Fabrikplanung. Wie eine Werkstrukturplanung als Projekt abläuft — von der Zielfestlegung bis zum Umsetzungsfahrplan — beschreibt die Seite Fabrikplanung.
Werkstrukturplanung in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.