Definition
Das Ziel der Segmentierung der Fertigung und Montage ist es die Komplexität der Variantenvielfalt zu reduzieren und in geeignete Einheiten zu strukturieren. Dies setzt eine Untersuchung der Produktbaugruppen (z.B. durch die Auflösung der Stückliste) sowie der Montage- bzw. Fertigungsfolge aus. Ein hierfür geeignetes Tool wäre der Montagevorranggraph oder der Arbeitsplan.

Welche Arten der Montage- und Fertigungssegmentierung gibt es?
Prinzipiell lassen sich durch das oben genannte Vorgehen 8 Arten der Segmentierung für Fertigung und Montage unterscheiden:
- Herstellungsart: Anwendung bei einem großen unterschiedlichen Produktspektrum mit verschiedenen Schwerpunkten in der Herstellung
- Kunde: Anwendung reiner Auftragsfertigung und spezifischer Kundenzuordnung mit der Voraussetzung eines konstanten Bedarfes bei jedem Kunden
- Geometrie: Anwendung bei spezifischen Technologien die von der Bauteilgeometrie abhängig sind, z.B. Drehdurchmesser
- Produkt: Anwendung bei völliger Trennung von Produkten und keiner gemeinsamen Nutzung von Ressourcen oder Anlagen
- Stückzahl: Anwendung bei stark unter- schiedlichen Produktionsstückzahlen im Spektrum, von Einzelfertigung bis Massenfertigung
- Wertschöpfung: Anwendung bei klarer Produktstruktur und einer Aufteilung von Lager- und Kundenauftragsfertigung
- Verfahren: Anwendung bei teuren Verfahren/ Technologie und bei Zentralprozessen
- Projekt: Anwendung in der Baustellenmontage bei unterschiedlichen Projekten
Materialfluss-Segmentierung nach VDI 4401
Für die Segmentierung in Produktion und Logistik gibt es eine eigene Richtlinie. VDI 4401 „Materialfluss-Segmentierung" (Ausgabe 2007-09) beschreibt sie als Bündelung vorhandener Ressourcen zu effizienten, eigenverantwortlichen Funktionseinheiten im Wertschöpfungsprozess — verbunden mit der Integration der indirekten Aufgaben der Produktionslogistik in diese Einheiten.
In der Regel werden dabei einzelne Produkte oder Produktgruppen als autarke Geschäftseinheiten innerhalb des Unternehmens geführt: als Profit-Center mit Gewinnverantwortung oder als Cost-Center. Welche Zuschnitte in Frage kommen, hängt nach der Richtlinie von drei Einflussgrößen ab — der Komplexität des Produktspektrums, dem Zugang zu den Beschaffungsmärkten und den Kosten der Einsatzfaktoren.
Elf Ziele, ein Prinzip
Die Richtlinie führt die Ziele einer Segmentierung ausdrücklich auf: höhere Lieferfähigkeit, kürzere Lieferzeiten, mehr Flexibilität in dringenden Bedarfsfällen, Termintreue, kürzere Auftragsdurchlaufzeit, bessere Prozess- und Produktqualität, höhere Kostentransparenz, optimierte Prozesse, geringere Kosten, weniger Puffer und ruhendes Material sowie ein geringerer Planungs- und Steuerungsaufwand.
Der letzte Punkt ist der, der am häufigsten überrascht: Eine Segmentierung soll die Steuerung nicht verfeinern, sondern überflüssig machen. Die Richtlinie fasst das Prinzip in eine Formel — „mehrere Fabriken unter einem Dach".
Woran eine Segmentierung ansetzt
Betroffen sind nach VDI 4401 die Fertigungsbereiche, die Informationsverarbeitung, der Materialfluss, die administrativen Funktionen und die Organisation der Logistik. Die Maßnahmen ordnet die Richtlinie vier Gesichtspunkten zu — und stellt einen Schritt davor:
Weil Ausgangslage, Markt, Leistung und Erzeugnischarakter je Unternehmen verschieden sind, kennt die Richtlinie keinen einheitlichen Weg zur Segmentbildung. Sie unterscheidet aber zwei Grundfälle: In der Massenproduktion wird das Produktspektrum in homogene Gruppen aufgeteilt; bei kleinen Mengen verschiedenartiger Produkte liegt der Zuschnitt eher in universeller Einsetzbarkeit und schneller Umrüstung.
Wie die Flächen und Flüsse dieser Einheiten geplant werden, behandeln Layoutplanung und Materialflussplanung. Die Einordnung in die Fabrikstruktur beschreibt die Werkstrukturplanung.
Quellen
VDI 4401 „Materialfluss-Segmentierung“, Ausgabe 2007-09, VDI-Handbuch Materialfluss und Fördertechnik Band 8. Ausgabestand am 05.09.2026 in der VDI-Richtlinienliste bestätigt.
Segmentierung im Projekt richtig anwenden
Eine Segmentierung sollte Produktähnlichkeit, Prozessfolge, Betriebsmittel, Mengen und logistische Beziehungen gemeinsam betrachten, damit neue Bereiche keine zusätzlichen Schnittstellen erzeugen.
Vor der Anwendung von Segmentierung werden Ziel, Systemgrenze und gewünschte Entscheidung festgelegt. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu benachbarten Methoden und Systemen: Welche Prozesse gehören zur Betrachtung, welche Schnittstellen bleiben außerhalb und welche Kennzahlen zeigen eine Verbesserung? Diese Klärung verhindert, dass ein Begriff nur als Etikett verwendet wird oder Teiloptimierungen an anderer Stelle neue Probleme erzeugen.
Eine belastbare Bearbeitung von Segmentierung verbindet Ist-Daten mit dokumentierten Annahmen. Datenquellen, Bezugszeitraum, Einheiten und Ausnahmen müssen nachvollziehbar sein. Anschließend werden Varianten oder Maßnahmen anhand einheitlicher Kriterien verglichen. Neben Leistung und Kosten gehören dazu je nach Aufgabe Fläche, Bestand, Ergonomie, Qualität, Umsetzbarkeit, Risiko und Erweiterbarkeit.
Das Ergebnis der Anwendung von Segmentierung sollte eine konkrete Entscheidung oder einen überprüfbaren nächsten Schritt unterstützen. Verantwortlichkeit, Zielwert und Prüfzeitpunkt machen sichtbar, ob die erwartete Wirkung eintritt. Für die Übertragung auf eine reale Aufgabenstellung lässt sich der Begriff mit den passenden Angeboten aus Beratung, Planung, Optimierung und digitaler Bestandsaufnahme verbinden.
Segmentierung in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.