Was Life Cycle Costing bewertet
Life Cycle Costing (LCC) bewertet ein Produktionsmittel nicht am Anschaffungspreis, sondern an den Kosten und — bei unterschiedlicher Leistung — den Erträgen über seinen gesamten Lebenszyklus. VDI 2884 „Beschaffung, Betrieb und Instandhaltung von Produktionsmitteln unter Anwendung von Life Cycle Costing (LCC)“ beschreibt die Methode für genau diese Entscheidung.
Die Folge dieser Betrachtung ist unbequem: Aus Sicht des Betreibers kann eine Beschaffung mit zunächst höheren Anschaffungskosten über die Nutzungsdauer die wirtschaftlichere Alternative sein. Wer nur Angebotspreise vergleicht, trifft die Entscheidung auf der falschen Größe.
Warum der Preis so wenig aussagt
Die Richtlinie nennt dafür einen empirischen Befund, der die ganze Methode trägt: 70 % bis 85 % der Gesamtkosten werden in der Entwurfs- und Entwicklungsphase festgelegt. Dort entstehen Konfiguration und Funktionsumfang, dort werden Werkstoffe, Kaufteile und Fertigungsverfahren bestimmt. Anfallen tun die daraus folgenden Kosten aber überwiegend erst in der Nutzungsphase.
Für den Hersteller folgt daraus, dass sich eine Maschine nur dann auf die Gesamtkosten hin optimieren lässt, wenn die langfristig erwarteten Kosten schon in der Entwicklung bekannt sind. Für den Betreiber folgt daraus, dass die Angebotsphase der letzte Zeitpunkt ist, zu dem sich daran noch etwas ändern lässt.
Zwei Blickrichtungen, die nicht dasselbe wollen
VDI 2884 trennt ausdrücklich zwei Perspektiven auf dieselbe Rechnung:
- Der Betreiber rechnet, um aus verschiedenen Angeboten auszuwählen.
- Der Hersteller rechnet, um wettbewerbsfähige und zugleich rentable Produkte anzubieten.
Die Methode stammt aus den USA, wo sie für die Wirtschaftlichkeitsberechnung und Gestaltung komplexer Großprojekte des industriellen Anlagenbaus entwickelt wurde. Ursprünglich aus Betreibersicht formuliert, wurde ihre Übernahme später auch den Herstellern empfohlen. Wer eine LCC-Rechnung eines Anbieters bewertet, sollte deshalb zuerst prüfen, aus welcher der beiden Sichten sie gerechnet ist.
Einordnung
Life Cycle Costing beantwortet die Frage nach der wirtschaftlichsten Ausführung, nicht die nach der Fertigungstiefe — diese behandelt Make-or-Buy. Für die laufenden Kosten des innerbetrieblichen Materialflusses siehe Materialflussoptimierung, für die Verfügbarkeit als Leistungsgröße die Leistungsverfügbarkeit.
Quelle
VDI 2884 „Beschaffung, Betrieb und Instandhaltung von Produktionsmitteln unter Anwendung von Life Cycle Costing (LCC)“, Ausgabe 2005-12, VDI-Handbuch Betriebstechnik Teil 4. Ausgabestand am 05.09.2026 in der VDI-Richtlinienliste bestätigt.
Life Cycle Costing in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.