Glossar

CRISP-DM – das Vorgehensmodell für Datenprojekte

CRISP-DM gliedert Datenprojekte in sechs Phasen. Der Aufwandsschwerpunkt liegt nicht im Modellieren, sondern in der Datenaufbereitung.

Was CRISP-DM ist

CRISP-DM steht für CRoss-Industry Standard Process for Data Mining und ist ein herstellerneutrales, dokumentiertes und frei verfügbares Vorgehensmodell für Datenprojekte. Shearer beschreibt es 2000 als branchen-, werkzeug- und anwendungsneutral — entwickelt von Branchenvertretern mit dem Beitrag von mehr als 200 Anwendern sowie Werkzeug- und Dienstleistungsanbietern.

Entstanden ist es Ende 1996 auf Initiative von vier Akteuren des damals jungen Data-Mining-Marktes, darunter Daimler-Benz und Integral Solutions Ltd.; ein Jahr später formierte sich ein Konsortium mit dem Ziel, CRISP-DM zu entwickeln. Dass ein Vorgehensmodell aus den neunziger Jahren heute noch trägt, liegt an seiner Unabhängigkeit von Werkzeugen: Es beschreibt Arbeitsschritte, keine Software.

Die sechs Phasen — und wo die Zeit hingeht

CRISP-DM gliedert den Ablauf in sechs Phasen: Business Understanding, Data Understanding, Data Preparation, Modeling, Evaluation und Deployment. Interessanter als die Liste sind die Zeitanteile, die Shearer als in der Branche allgemein akzeptiert angibt:

Sechs Phasen — und wohin die Zeit wirklich geht 1 Business Understanding10–20 % 2 Data Understanding20–30 % 3 Data Preparation50–70 % 4 Modeling10–20 % 5 Evaluation10–20 % 6 Deployment (Planung)5–10 %
Phasen und Zeitanteile von CRISP-DM — eigene Darstellung nach Shearer (2000).

Die Zahl, an der sich Projekte messen lassen sollten, ist die dritte: 50 bis 70 Prozent des Aufwands entfallen auf die Datenaufbereitung, weitere 20 bis 30 Prozent auf das Verstehen der Daten. Für das Modellieren bleiben 10 bis 20 Prozent. Wer einen Aufwandsplan sieht, in dem das Verhältnis umgekehrt ist, sieht keinen Plan, sondern eine Hoffnung.

Das Modell ist nicht das Ergebnis

Zwei Phasen werden regelmäßig übersprungen. Die Evaluation prüft nicht die Genauigkeit des Modells — das geschieht vorher —, sondern ob es die fachlichen Ziele erfüllt; dazu gehört ausdrücklich ein Rückblick auf den Prozess mit der Frage, ob etwas Wesentliches übersehen wurde und ob nur Merkmale verwendet wurden, die später überhaupt verfügbar sind.

Die Deployment-Phase beginnt mit einem Satz, der als Projektregel taugt: Die Erstellung des Modells ist in der Regel nicht das Ende des Projekts. Das gewonnene Wissen muss so aufbereitet werden, dass der Anwender es nutzen kann — je nach Anforderung reicht das vom Bericht bis zum wiederholbaren Prozess im Unternehmen. Ausgeführt wird dieser Schritt häufig vom Kunden, nicht vom Analysten; umso wichtiger ist, dass zu Beginn geklärt ist, welche Handlungen dafür nötig sein werden.

Verhältnis zum Process Mining

CRISP-DM ordnet Data-Mining-Projekte. Für Process Mining gibt es mit PM² eine eigene Projektmethodik, die dieselbe Grundidee anders schneidet — sie kennt eine ausdrückliche Analyseschleife. Beide teilen die Einsicht, dass die Datenarbeit vor der Modellarbeit den Ausschlag gibt; im Process Mining heißt das Ergebnis dieser Arbeit Event Log. Die Auswertung im Betrieb behandelt Data Analytics.

Quelle

Shearer, C. (2000): The CRISP-DM Model: The New Blueprint for Data Mining. Journal of Data Warehousing 5(4), S. 13–22.

CRISP-DM in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.

FAQ

Häufige Fragen

Was bedeutet CRISP-DM?

CRISP-DM steht für CRoss-Industry Standard Process for Data Mining und bezeichnet ein herstellerneutrales, frei verfügbares Vorgehensmodell für Datenprojekte. Es gliedert den Ablauf in sechs Phasen und ist branchen-, werkzeug- und anwendungsneutral formuliert.

Wie verteilt sich der Aufwand in einem Datenprojekt?

Shearer (2000) nennt als in der Branche akzeptierte Größenordnung: 50 bis 70 Prozent für die Datenaufbereitung, 20 bis 30 Prozent für das Verstehen der Daten und je 10 bis 20 Prozent für Modellierung, Bewertung und fachliches Verständnis. Auf die Planung des Deployments entfallen 5 bis 10 Prozent.

Endet ein Datenprojekt mit dem fertigen Modell?

Die Erstellung des Modells ist nach CRISP-DM in der Regel nicht das Ende. Das gewonnene Wissen muss so aufbereitet werden, dass es im Unternehmen genutzt werden kann — vom Bericht bis zum wiederholbaren Prozess. Dieser Schritt wird häufig vom Kunden ausgeführt, nicht vom Analysten.