Was ist ein Event Log?
Ein Event Log ist eine strukturierte Sammlung von Ereignissen eines operativen Prozesses. Im klassischen Process Mining enthält jedes Ereignis mindestens eine Case-ID, eine Aktivität und einen Zeitstempel. Optionale Attribute beschreiben beispielsweise Ressource, Werk, Material, Menge, Kosten, Status oder Ausführungssystem.
Mindeststruktur und Semantik
| Feld | Fachliche Frage |
|---|---|
| Case oder Objekt | Zu welcher Prozessinstanz oder welchem Geschäftsobjekt gehört das Ereignis? |
| Aktivität | Welcher fachliche Schritt ist eingetreten? |
| Zeit | Wann begann, endete oder wurde der Schritt gebucht? |
| Attribute | Welche Merkmale erklären Varianten oder Leistung? |
Der Zeitstempel einer Buchung ist nicht automatisch der Zeitpunkt der realen Tätigkeit. Seine Bedeutung wird deshalb je Ereignis dokumentiert.
Cases und Objekte in Produktion und Logistik
Ein Fertigungs- oder Logistikprozess verbindet häufig Kundenauftrag, Fertigungsauftrag, Material, Charge, Handling Unit und Lieferung. Wird nur eine Case-ID gewählt, können Beziehungen verloren gehen oder Ereignisse vervielfacht werden. In solchen Fällen kann Object-Centric Process Mining geeigneter sein.
Qualitätsprüfungen
- Eindeutigkeit und Stabilität der IDs
- Vollständigkeit der relevanten Fälle und Aktivitäten
- Chronologie, Zeitzonen und Zeitauflösung
- Dubletten, Stornos und technische Wiederholungen
- überschriebene statt historisierte Zustände
- manuelle oder verspätete Buchungen
Ein Event Log ist damit kein neutraler Rohdatenexport, sondern ein fachliches Datenmodell mit dokumentierter Systemgrenze.
Fachliche Grundlage
Die drei Pflichtangaben — Fall, Aktivität und Zeit — folgen der Begriffsbestimmung des Process Mining Manifesto (IEEE Task Force on Process Mining, 2012). Es fasst den Event Log als Sammlung von Ereignissen, die als Eingabe für Process Mining dient, und hält ausdrücklich fest, dass die Ereignisse nicht in einer eigenen Protokolldatei liegen müssen: Sie können über Datenbanktabellen, Nachrichten- und Transaktionsprotokolle verstreut sein. Wichtiger als das Speicherformat ist die Qualität der Daten. Die Grenzen vereinfachter Prozessdarstellungen behandelt van der Aalst, W. M. P. (2019): A practitioner's guide to process mining: Limitations of the directly-follows graph. Procedia Computer Science 164, S. 321–328, DOI 10.1016/j.procs.2019.12.189. Anwendung: Process Mining in Produktion und Logistik.
Event Log im Projekt richtig anwenden
Ein Event Log wird auf eine konkrete Analysefrage, eine eindeutige Ereignissemantik und einen dokumentierten Betrachtungszeitraum zugeschnitten.
Vor der Anwendung von Event Log werden Ziel, Systemgrenze und gewünschte Entscheidung festgelegt. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu benachbarten Methoden und Systemen: Welche Prozesse gehören zur Betrachtung, welche Schnittstellen bleiben außerhalb und welche Kennzahlen zeigen eine Verbesserung? Diese Klärung verhindert, dass ein Begriff nur als Etikett verwendet wird oder Teiloptimierungen an anderer Stelle neue Probleme erzeugen.
Eine belastbare Bearbeitung von Event Log verbindet Ist-Daten mit dokumentierten Annahmen. Datenquellen, Bezugszeitraum, Einheiten und Ausnahmen müssen nachvollziehbar sein. Anschließend werden Varianten oder Maßnahmen anhand einheitlicher Kriterien verglichen. Neben Leistung und Kosten gehören dazu je nach Aufgabe Fläche, Bestand, Ergonomie, Qualität, Umsetzbarkeit, Risiko und Erweiterbarkeit.
Das Ergebnis der Anwendung von Event Log sollte eine konkrete Entscheidung oder einen überprüfbaren nächsten Schritt unterstützen. Verantwortlichkeit, Zielwert und Prüfzeitpunkt machen sichtbar, ob die erwartete Wirkung eintritt. Für die Übertragung auf eine reale Aufgabenstellung lässt sich der Begriff mit den passenden Angeboten aus Beratung, Planung, Optimierung und digitaler Bestandsaufnahme verbinden.
Event Log in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.