Glossar

Prozessorientierte Kostenanalyse in der Logistik

Die Prozesskostenanalyse ordnet Logistikkosten nicht Kostenstellen, sondern Prozessen zu. Über Maßgrößen wird ermittelt, was ein Teilprozess je Durchführung kostet — die Grundlage für belastbare Make-or-Buy- und Automatisierungsentscheidungen.

Warum Kostenstellen für Logistikfragen nicht reichen

Innerbetriebliche Logistik verteilt sich über viele Kostenstellen: Wareneingang, Lager, Transport, Kommissionierung, Versand. Eine Kostenstellenrechnung sagt, wo Kosten anfallen, aber nicht, wofür. Genau diese Lücke schließt die prozessorientierte Kostenanalyse, die VDI 4405 Blatt 1 für die innerbetriebliche Logistik beschreibt.

Das Vorgehen

Die Richtlinie führt die Prozesskostenrechnung in geordneten Schritten:

  1. Betroffene Kostenstellen ermitteln — getrennt nach Kostenarten und Kostenstellen.
  2. Kosteninformationen beschaffen — aus dem Betriebsabrechnungsbogen.
  3. Teilprozesse und Maßgrößen den Kostenstellen zuordnen — jeder Teilprozess bekommt eine Bezugsgröße, an der sich sein Mengengerüst messen lässt.
  4. Anzahl der Maßgrößen je Zeiteinheit ermitteln — wie oft der Teilprozess tatsächlich durchlaufen wird.
  5. Teilprozess-Gesamtzeiten und -Gesamtkosten je Jahr ermitteln — daraus folgt der Kostensatz je Durchführung.

Vorgelagert steht die Prozessarbeit selbst: VDI 4405 Blatt 1 definiert die Logistikprozesse, ihre Struktur, ihre Erfassung und ihre Verkettung zu Prozessketten, bevor überhaupt gerechnet wird. Diese Reihenfolge ist keine Formalie — wer Kosten auf unscharf abgegrenzte Prozesse verteilt, erzeugt genaue Zahlen über einen unklaren Gegenstand.

Wofür die Ergebnisse taugen

Ein Kostensatz je Teilprozess macht Entscheidungen vergleichbar, die sonst im Gefühl bleiben: ob eine Tätigkeit automatisiert werden soll, ob sie fremdvergeben wird, was eine zusätzliche Umlagerung kostet, wie teuer eine Sonderfahrt wirklich ist. Er ergänzt die Logistikkennzahlen um die Kostenseite und macht die Make-or-Buy-Frage rechenbar.

Die Grenze der Methode liegt in ihrer Voraussetzung: Sie braucht erfasste Prozesse und belastbare Mengen. Wo beides fehlt, ist die Prozessaufnahme der erste Schritt, nicht die Rechnung.

Prozesskostenanalyse in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.

FAQ

Häufige Fragen

Was unterscheidet die Prozesskostenanalyse von der Kostenstellenrechnung?

Die Kostenstellenrechnung zeigt, wo Kosten anfallen. Die Prozesskostenanalyse ordnet sie den Prozessen zu und ermittelt über Maßgrößen, was ein Teilprozess je Durchführung kostet. Für Logistikfragen ist das der entscheidende Unterschied, weil Logistikleistung sich über viele Kostenstellen verteilt.

Welche Schritte sieht VDI 4405 vor?

Die Richtlinie ermittelt zuerst die betroffenen Kostenstellen und Kostenarten, beschafft die Kosteninformationen aus dem Betriebsabrechnungsbogen, ordnet Teilprozesse und Maßgrößen zu, bestimmt die Anzahl der Maßgrößen je Zeiteinheit und errechnet daraus Teilprozess-Gesamtzeiten und -Gesamtkosten je Jahr.

Was sind Maßgrößen in der Prozesskostenrechnung?

Eine Maßgröße ist die Bezugsgröße eines Teilprozesses — etwa die Zahl der Wareneingangspositionen oder der Kommissionierpositionen. Über sie wird gemessen, wie oft ein Prozess durchlaufen wird, und daraus der Kostensatz je Durchführung gebildet.