Warum Kostenstellen für Logistikfragen nicht reichen
Innerbetriebliche Logistik verteilt sich über viele Kostenstellen: Wareneingang, Lager, Transport, Kommissionierung, Versand. Eine Kostenstellenrechnung sagt, wo Kosten anfallen, aber nicht, wofür. Genau diese Lücke schließt die prozessorientierte Kostenanalyse, die VDI 4405 Blatt 1 für die innerbetriebliche Logistik beschreibt.
Das Vorgehen
Die Richtlinie führt die Prozesskostenrechnung in geordneten Schritten:
- Betroffene Kostenstellen ermitteln — getrennt nach Kostenarten und Kostenstellen.
- Kosteninformationen beschaffen — aus dem Betriebsabrechnungsbogen.
- Teilprozesse und Maßgrößen den Kostenstellen zuordnen — jeder Teilprozess bekommt eine Bezugsgröße, an der sich sein Mengengerüst messen lässt.
- Anzahl der Maßgrößen je Zeiteinheit ermitteln — wie oft der Teilprozess tatsächlich durchlaufen wird.
- Teilprozess-Gesamtzeiten und -Gesamtkosten je Jahr ermitteln — daraus folgt der Kostensatz je Durchführung.
Vorgelagert steht die Prozessarbeit selbst: VDI 4405 Blatt 1 definiert die Logistikprozesse, ihre Struktur, ihre Erfassung und ihre Verkettung zu Prozessketten, bevor überhaupt gerechnet wird. Diese Reihenfolge ist keine Formalie — wer Kosten auf unscharf abgegrenzte Prozesse verteilt, erzeugt genaue Zahlen über einen unklaren Gegenstand.
Wofür die Ergebnisse taugen
Ein Kostensatz je Teilprozess macht Entscheidungen vergleichbar, die sonst im Gefühl bleiben: ob eine Tätigkeit automatisiert werden soll, ob sie fremdvergeben wird, was eine zusätzliche Umlagerung kostet, wie teuer eine Sonderfahrt wirklich ist. Er ergänzt die Logistikkennzahlen um die Kostenseite und macht die Make-or-Buy-Frage rechenbar.
Die Grenze der Methode liegt in ihrer Voraussetzung: Sie braucht erfasste Prozesse und belastbare Mengen. Wo beides fehlt, ist die Prozessaufnahme der erste Schritt, nicht die Rechnung.
Prozesskostenanalyse in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.