Glossar

Standortsuche – Ziele und Strategie

Steigende Energiekosten und kürzere Lieferzeiten führen dazu, dass Unternehmen ihre Beschaffungs- und Distributionsnetzwerke überdenken und anpassen müssen. Wenn die Transportkosten steigen, spürt man Stress in den Lieferketten-Netzwerken rund um den Globus.

  Um ein optimales Logistik-Netzwerk zu entwerfen, muss das Netzwerk in der Lage sein, die langfristigen strategischen Ziele des Unternehmens zu erreichen. Die meisten Geschäftseinheiten oder Funktionsbereiche innerhalb eines Unternehmens sind von einem Projekt zur Standortsuche oder Netzwerkplanung betroffen. Die meisten Unternehmen entwickeln Strategien für Zielmärkte und Produkte. Nur wenige Unternehmen legen jedoch ihre Kapazitäten der jeweiligen Standorte effizient bzw. ausreichend aus. Dies liegt im Allgemeinen daran, dass Betriebsstrategien nicht mit dem gleichen Szenario-Plan oder der gleichen Strenge entwickelt oder umgesetzt werden, die den häufigen scheinbar interessanten Fragen von Märkten und Produkten beigemessen wird.

Netzwerkplanung mit Weitsicht

Die Ausrichtung der Geschäfts- und Betriebsstrategien ist oft schwach oder gar nicht vorhanden. Missions- und Visionserklärungen, Pläne, Ziele und Leistungsindikatoren sind wichtig für die Steuerung der Ausführung. Sie stellen aber meist nicht sicher, dass Fähigkeiten für Szenarien aus den Geschäftsstrategien aufgebaut werden. Daher haben Unternehmen nicht immer sorgfältig entwickelte Alternativen für Kundennachfrage, neue Kanäle, Wettbewerb, Lieferrisiken und Produktentwicklung. Eine klare und nachhaltige Abstimmung zwischen der operativen Umsetzung und den aus den Geschäftsstrategien abgeleiteten Plänen ist eine Herausforderung. Führungskräfte verstehen die damit verbundenen Komplexitäten, sind aber besorgt, dass 90% der Geschäftsstrategien nicht wie vorgesehen umgesetzt werden. Sie beginnen zu verstehen, dass es bei der Standortsuche um mehr als nur um die Logistik beim Kauf und Verkauf von Waren geht, es geht um Wettbewerbsdifferenzierung und profitables Geschäftswachstum.

Softwareunterstützte Standortsuche

Die Standortsuche gestaltet sich aufgrund des dynamischen Marktumfeldes sowie des weitreichenden Zeithorizonts als schwierig. Umso wichtiger ist es alle relevanten Standortfaktoren bei der Entscheidung zu berücksichtigen.

Die Entscheidung mit der längsten Bindung

Wie weit eine Standortentscheidung reicht, hat Aggteleky in seinem Standardwerk zur Fabrikplanung deutlich gemacht: Die Standortwahl gehört zu den langfristigsten unternehmerischen Entscheidungen — sie überdauert mehrere Generationen von Betriebsmitteln und Produkten, oft auch von Bauten.

Daraus folgt ein Effekt, den er ebenfalls benennt: Der Standort erscheint im Laufe der Zeit als unveränderliche Gegebenheit, die bei späteren Entscheidungen als Faktum behandelt wird. Was einmal gewählt ist, wird nicht mehr hinterfragt, sondern vorausgesetzt — und begrenzt damit stillschweigend jede spätere Planung.

Charakteristisch für die Standortplanung ist nach Aggteleky, dass sie auf nahezu alle Bereiche der unternehmerischen Tätigkeit und auf die betrieblichen Abläufe Einfluss hat. Vor allem aber zeichnet sie die künftige Entwicklungsmöglichkeit und den Spielraum der geschäftspolitischen Entscheidungsfreiheit auf längere Sicht vor und grenzt beides ab.

In seiner Einteilung der Planungsaufgaben zählt die Standortwahl deshalb zu den langfristigen — gemeinsam mit der Errichtung neuer Anlagen auf der grünen Wiese. Es sind Perspektivpläne, die in der Regel über die Nutzungsdauer der Produktionsanlagen hinausreichen und Teil der langfristigen unternehmerischen Planung sind.

Wie sich die Anpassungsfähigkeit an einem einmal gewählten Standort planen lässt, behandelt die Wandlungsfähigkeit; die Ebene darunter die Werkstrukturplanung.

Quelle: Aggteleky, B.: Fabrikplanung — Werksentwicklung und Betriebsrationalisierung. Hanser.

Standortsuche im Projekt richtig anwenden

Eine Standortsuche braucht transparente Muss- und Bewertungskriterien sowie belastbare Daten zu Markt, Personal, Logistik, Grundstück, Genehmigung, Kosten und Risiken.

Vor der Anwendung von Standortsuche werden Ziel, Systemgrenze und gewünschte Entscheidung festgelegt. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu benachbarten Methoden und Systemen: Welche Prozesse gehören zur Betrachtung, welche Schnittstellen bleiben außerhalb und welche Kennzahlen zeigen eine Verbesserung? Diese Klärung verhindert, dass ein Begriff nur als Etikett verwendet wird oder Teiloptimierungen an anderer Stelle neue Probleme erzeugen.

Eine belastbare Bearbeitung von Standortsuche verbindet Ist-Daten mit dokumentierten Annahmen. Datenquellen, Bezugszeitraum, Einheiten und Ausnahmen müssen nachvollziehbar sein. Anschließend werden Varianten oder Maßnahmen anhand einheitlicher Kriterien verglichen. Neben Leistung und Kosten gehören dazu je nach Aufgabe Fläche, Bestand, Ergonomie, Qualität, Umsetzbarkeit, Risiko und Erweiterbarkeit.

Das Ergebnis der Anwendung von Standortsuche sollte eine konkrete Entscheidung oder einen überprüfbaren nächsten Schritt unterstützen. Verantwortlichkeit, Zielwert und Prüfzeitpunkt machen sichtbar, ob die erwartete Wirkung eintritt. Für die Übertragung auf eine reale Aufgabenstellung lässt sich der Begriff mit den passenden Angeboten aus Beratung, Planung, Optimierung und digitaler Bestandsaufnahme verbinden.

Standortsuche in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.