Glossar

Spielzeit von Regalbediengeräten nach FEM 9.851

Die Spielzeit nach FEM 9.851 beschreibt ein einheitliches Verfahren zur Abschätzung und Prüfung mittlerer Einzel- und kombinierter Spiele von Regalbediengeräten.

Was ist die Spielzeit nach FEM 9.851?

Die Spielzeit eines Regalbediengeräts ist die Dauer eines definierten Bewegungsablaufs für Ein- oder Auslagerungen. FEM 9.851 beschreibt Referenzabläufe und Bezugspunkte, mit denen mittlere Einzelspiele und kombinierte Spiele vergleichbar berechnet und in Testspielen geprüft werden können. Das Verfahren unterstützt Planung, Angebotsvergleich, Ausführung und Übergabe automatischer Hochregallager. Es bildet jedoch nur das Regalbediengerät und dessen definierte Randbedingungen ab, nicht automatisch die Gesamtleistung des Lagers.

Einzelspiel und kombiniertes Spiel

SpielartVereinfachter AblaufPlanerische Aussage
Einzelspiel EinlagerungLadeeinheit übernehmen, Lagerplatz anfahren, abgeben, zum Übergabepunkt zurückkehrenZeitbedarf eines reinen Einlagerungsauftrags
Einzelspiel AuslagerungLagerplatz anfahren, Ladeeinheit aufnehmen, zum Übergabepunkt fahren und abgebenZeitbedarf eines reinen Auslagerungsauftrags
Kombiniertes SpielEinlagerung und Auslagerung werden in einem Umlauf verbundenReduziert Leerfahrten und kann die Umschlagleistung erhöhen

Die Gesamtzeit setzt sich aus veränderlichen Fahr- und Hubzeiten sowie konstanten Anteilen zusammen. Zu den konstanten Anteilen können Positionieren, Platzkontrolle, Schalt- und Kontrollvorgänge sowie das Lastaufnahmespiel gehören. Welche Zeiten angesetzt werden, muss zur konkreten Geräte- und Anlagenkonfiguration passen.

Warum werden theoretische Bezugspunkte verwendet?

Ein Hochregallager besitzt sehr viele mögliche Fahrbeziehungen. Eine vollständige Mittelwertbildung über alle Fächer wäre für eine frühe Berechnung aufwendig. Die FEM-Methode verwendet daher repräsentative Bezugspunkte für mittlere Arbeitsspiele. Dabei werden Regalabmessungen, Lage der Übergabestellen sowie das Verhältnis von Fahr- und Hubbewegung berücksichtigt. Aussagefähig ist das Ergebnis nur, wenn die Annahme einer über den Betrachtungszeitraum hinreichend gleichmäßigen Fachbelegung und Anfahrt zur geplanten Betriebsweise passt.

Von der Spielzeit zur Lagerleistung

Aus einer mittleren Spielzeit lässt sich eine theoretische Zahl von Spielen je Stunde ableiten. Für die Umschlagleistung des Hochregallagers sind zusätzlich die Anzahl der Regalbediengeräte, der Anteil von Einzel- und kombinierten Spielen sowie betriebliche Verluste relevant. Vorzonen, Fördertechnik, Puffer, Identifikation, Steuerung, Lastwechsel und nachgelagerte Arbeitsplätze können den Durchsatz begrenzen, obwohl das Regalbediengerät rechnerisch noch Kapazität besitzt.

Deshalb wird die Spielzeitrechnung mit einem abgestimmten Lastprofil verbunden: Wie viele Ein- und Auslagerungen fallen je Zeitfenster an? Welcher Anteil kann kombiniert werden? Wie verteilen sich die Zugriffe im Regal? Welche Sonderfälle entstehen durch zweifachtiefe Lagerung, mehrere Lastaufnahmemittel oder Gassenwechsel? Bei starken zeitlichen Wechselwirkungen kann eine Simulationsstudie nach VDI 3633 die statische Berechnung ergänzen.

Sonderfälle und Grenzen des Mittelwerts

Zweifachtiefe Lagerung, zwei Lastaufnahmemittel, mehrere Übergabepositionen oder ein gassenwechselndes Gerät verändern den Bewegungsablauf. Ebenso wirken zonierte Lagerstrategien, weil häufig nachgefragte Artikel dann nicht gleichmäßig über die Regalfläche verteilt sind. In solchen Fällen wird die passende Erweiterung der Berechnung verwendet oder ein empirisches Zugriffsprofil ausgewertet.

Für kurze Lastspitzen ist die mittlere Spielzeit allein ungeeignet. Entscheidend können dann Auftragsreihenfolge, Kombinationsgrad, Pufferfüllstand und die Verfügbarkeit angrenzender Fördertechnik sein. Eine Planung dokumentiert deshalb neben dem Mittelwert auch die Betriebsfälle, für die der Leistungsnachweis gelten soll.

Testspiel und Abnahme

Für einen Nachweis müssen Soll- und Ist-Bedingungen übereinstimmen. Testpunkte, Ladeeinheit, Betriebszustand, Messbeginn, Messende, Wiederholungen und zulässige Abweichungen gehören deshalb in eine abgestimmte Spezifikation. Die Übergabestellen und Lastaufnahmemittel werden genauso beschrieben wie Fahr- und Hubparameter, weil Abweichungen an diesen Schnittstellen den Vergleich verzerren können. Die gemessenen Zeiten werden protokolliert und den berechneten Werten gegenübergestellt. Ein schneller Einzellauf ohne dokumentierte Randbedingungen belegt keine mittlere Systemleistung.

Quellen und fachliche Einordnung

Schmalgangstapler: die Rechnung nach VDI 2516

FEM 9.851 rechnet regalgebundene Geräte. Für personenbediente Schmalgangstapler gibt es eine eigene Berechnungshilfe: VDI 2516 „Flurförderzeuge für die Regalbedienung — Spielzeitermittlung“ (Ausgabe 2003-09). Ihr erklärter Zweck ist, auf Basis gleicher Parameter die gangbezogene Geräteleistung zu ermitteln, daraus die Fahrzeuganzahl und die Systemleistung zu berechnen und Lagersysteme auszulegen — und bei Anfragen den Standard des Vorgehens festzulegen, um vergleichbare Angebote zu schaffen.

Der letzte Punkt ist der praktische: Ohne festgelegtes Verfahren rechnet jeder Anbieter seine eigene Spielzeit, und die Angebote sind nicht vergleichbar.

Was die Richtlinie ausdrücklich nicht enthält

Die Abgrenzung gehört in jedes Lastenheft, das sich auf diese Rechnung stützt. VDI 2516 beschränkt sich auf Einheitenlager, in denen nur ganze Ladeeinheiten ein- und ausgelagert werden, und der Wert repräsentiert den Durchschnitt. Nicht im Arbeitsspiel enthalten sind die Umsetzzeit von einem Gang zum anderen und das Drehen des Lastaufnahmemittels. Wer beides braucht, muss es getrennt ansetzen.

Angenommen wird außerdem eine definierte Ausgangslage: Die Ladeeinheit steht zentriert an der Stirnseite des Regals in festgelegter Höhe bereit, die Gabel befindet sich auf der Seite der Übergabestelle, palettenzentriert im Gang.

Quelle: VDI 2516 „Flurförderzeuge für die Regalbedienung — Spielzeitermittlung in Schmalgängen“, Ausgabe 2003-09, VDI-Handbuch Materialfluss und Fördertechnik Band 2 und Band 5. Ausgabestand am 05.09.2026 in der VDI-Richtlinienliste bestätigt.

Spielzeit nach FEM 9.851 in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.

FAQ

Häufige Fragen

Was unterscheidet Einzelspiel und Doppelspiel?

Beim Einzelspiel wird nur ein Ein- oder Auslagerungsauftrag abgearbeitet. Das häufig als Doppelspiel bezeichnete kombinierte Spiel verbindet eine Einlagerung mit einer Auslagerung in einem Umlauf und vermeidet dadurch einen Teil der Leerfahrt.

Ist die Spielzeit gleich dem Durchsatz des Lagers?

Die Spielzeit beschreibt definierte Abläufe des Regalbediengeräts. Der reale Lagerdurchsatz hängt zusätzlich von Auftragsmix, Vorzone, Fördertechnik, Puffern, Steuerung, Verfügbarkeit und weiteren Ressourcen ab.

Wann ist eine Simulation zusätzlich sinnvoll?

Eine Simulation ist sinnvoll, wenn zeitabhängige Spitzen, mehrere gekoppelte Ressourcen, Prioritätsregeln, Störungen oder wechselnde Auftragsmixe die Leistung prägen und mit einer statischen Mittelwertrechnung nicht zuverlässig beurteilt werden können.