Produktionssystem ist einerseits ein Begriff aus dem Bereich der Produktionswirtschaft. Unter diesen Begriff werden Systeme und Teilsysteme, in denen eine Produktion erfolgt zusammengefasst, zum Beispiel ganze Betriebe, wie auch einzelne, wertschaffende Teile von Betrieben wie etwa Fabriken, Fertigungssegmente, Werkstätten oder Fertigungslinien. Andererseits handelt es sich bei einem Produktionssystem um aufeinander abgestimmte Strategien, Prinzipien und Methoden zur Produktion innerhalb eines bestimmten Unternehmens. Bekanntestes Beispiel ist das Toyota-Produktionssystem, das auf dem Grundgedanken der Vermeidung von Verschwendung beruht und dazu Methoden einsetzt wie kontinuierliche Verbesserungsprozesse, Kanban oder Just-in-Time Konzepte. Dem produktionswirtschaftlichen Begriff liegt die Vorstellung zu Grunde, dass sich Produktionsvorgänge als Systeme beschreiben lassen, etwa als Input/ Throughput/ Output-Systeme. Dabei stellt der Input Güter dar, die von außen dem System zur Transformation zur Verfügung gestellt werden (Arbeitskraft, Rohstoffe, Strom, Wärme usw.). Der Throughput ist der eigentliche Transformationsprozess, also die Veränderung der Verarbeitungsobjekte. Der Output ist die Abgabe von Objekten aus dem Produktionsprozess an die Umwelt, die entweder das Unternehmen verlassen oder weiterverarbeitet werden. Dies umfasst zum einen die Freigabe von hergestellten oder veränderten Verarbeitungsobjekten, Wärme oder erzeugten Strom, zum anderen aber auch unerwünschte Objekte, beispielsweise Abgase, Abwasser, Sondermüll oder Späne.
Unterschiedliche Arten von Produktionssystemen im Vergleich
Produktionssysteme werden in der Literatur insbesondere nach Produktionstypen unterschieden. Je nachdem, ob es sich beispielsweise um Einzel-, Serien- oder Massenfertigung oder um Werkstatt- oder Fließproduktion handelt, ergeben sich verschiedene Arten von Planungsproblemen. Die Lösung dieser Probleme und somit die möglichst effiziente Konfiguration und Steuerung von Produktionssystemen ist Aufgabe der Produktionswirtschaft.

Das Toyota-Produktionssystem
Einzelne Unternehmen haben eigene Produktionssysteme entwickelt, in denen sie die generellen Prinzipien, Standards, Methoden und Werkzeuge beschreiben, die für die Organisation und die Arbeits- und Produktionsweise in dem Unternehmen weltweit gelten. Das bekannteste dieser Produktionssysteme ist das Toyota-Produktionssystem (TPS). Inzwischen haben viele Unternehmen, vor allem im Bereich der Automobilindustrie, ihre eigenen Produktionssysteme entwickelt, die überwiegend auf den Prinzipien aufbauen, die von Toyota entwickelt wurden. Viele der Prinzipien, Methoden und Werkzeuge, die Toyota zuerst eingeführt hat, liegen auch dem Lean Management zugrunde.
Das Ganzheitliche Produktionssystem
Der zweite Wortsinn hat einen eigenen Namen: das Ganzheitliche Produktionssystem, abgekürzt GPS. Fehr, Sauber und Schmidt beschreiben 2012 dessen Ziel — vorhandene Konzepte und Modernisierungsmaßnahmen, die meist zur Verbesserung eines einzelnen Sachverhalts eingeführt wurden, zu einem modularen, methodisch aufeinander abgestimmten System zu vereinen. Der Zweck dieser Zusammenführung ist ein negativer: Sie soll verhindern, dass isoliert betrachtete Vorgehensweisen nur Teiloptima erzeugen, die an anderer Stelle zu Verschlechterungen führen.
Damit ist auch gesagt, was ein Ganzheitliches Produktionssystem nicht ist — eine Sammlung von Methoden. Der Unterschied liegt in der Zuordnung: Jede Methode hängt an einem Gestaltungsprinzip, jedes Prinzip an einem Prozess, jeder Prozess an einem strategischen Ziel.
Woraus ein GPS besteht
Der Aufbau folgt in der Regel vier Ebenen: den in der Unternehmensstrategie formulierten Zielen, den Unternehmensprozessen, den Gestaltungsprinzipien sowie den zugeordneten Methoden und Werkzeugen.
Ein Satz aus derselben Quelle wird in der Praxis regelmäßig unterschätzt: Die Struktur Ganzheitlicher Produktionssysteme ist unternehmensübergreifend gleich, die Inhalte unterscheiden sich nach dem unternehmensspezifischen Kontext. Wer das Produktionssystem eines anderen Unternehmens kopiert, übernimmt dessen Inhalte, nicht dessen Wirkung.
Warum die indirekten Bereiche dazugehören
Das Ursprungskonzept der schlanken Produktion zielte überwiegend auf die Fertigung. Im Ganzheitlichen Produktionssystem werden nach Fehr, Sauber und Schmidt verstärkt auch die indirekten Bereiche einbezogen — Konstruktion, Forschung und Entwicklung, Planung, Vertrieb. Der Grund ist praktisch: Probleme, die in der Fertigung auftreten, lassen sich häufig nur unter Einbeziehung der indirekten Bereiche lösen.
Die Autoren berufen sich dabei auf Taiichi Ōno, den Begründer des Toyota-Produktionssystems, dessen Stärke sich nach seiner eigenen Einschätzung „erst in der Anwendung als umfassendes Managementsystem" zeige. Wie sich die Größen dieser Bereiche rechnen lassen, behandeln die Begriffe indirekte Bereiche und Dimensionierung indirekter Bereiche.
Quellen und fachliche Einordnung
Fehr, S.; Sauber, K.; Schmidt, T. (2012): Klassifizierung der Methoden eines Ganzheitlichen Produktionssystems unter Berücksichtigung der Anforderungen indirekter Bereiche. Logistics Journal: Proceedings, DOI 10.2195/lj_Proc_fehr_de_201210_01. Der Aufbau des GPS ist dort Abbildung 1 und trägt den Vermerk „vgl. VDI 2870"; er wird hier als Sekundärzitat wiedergegeben, weil die Richtlinie selbst nicht vorliegt.
Produktionssystem in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.