Glossar

Indirekte Bereiche – Definition und Erklärung

Die Turbulenz und Dynamik der Märkte zwingen Unternehmen zu einer kontinuierlichen und vollumfänglichen Anpassung ihres Absatz- und Produktionsprogramms.

Indirekte Bereiche bereiten die primäre Leistung vor, steuern, überwachen oder sichern sie; die Zuordnung hängt von der gewählten Systemgrenze ab und umfasst etwa Wareneingang, Qualitätssicherung, Instandhaltung, Arbeitsvorbereitung und Versand. Ihr Tätigkeitsaufwand steigt nicht proportional zur Produktionsmenge, sondern wird auch von Losgröße und Variantenvielfalt bestimmt.

Die resultierenden Produktionsprogramme sind dadurch weitaus komplexer und durch multivariate Einflüsse geprägt. Der Effekt der multivariaten Einflüsse kommt insbesondere in den indirekten Bereichen zum Tragen, da Tätigkeitsaufwände in indirekten Bereichen nicht zwingend proportional mit der Produktionsmenge steigen, sondern sich vielmehr durch weitere Einflüsse, wie die Losgröße oder die Variantenvielfalt gestalten. Klassische Maßnahmen begegnen diesen Turbulenzen maßgeblich mit der Forderung nach hoher Flexibilität und Wandlungsfähigkeit, was im Wesentlichen nur durch Überdimensionierung und vorgehaltene Flächenreserven für den Erweiterungsfall möglich ist. Dabei ist zu beachten, dass eine Überdimensionierung zu unwirtschaftlichen Überkapazitäten und erhöhten Stückkosten führt. Den Möglichkeiten zur Gestaltung einer wandlungsfähigen Fabrik ist gemein, dass zunächst ein Mindestmaß der Fabrikdimension gefunden werden muss, die der Prognose des erwarteten Produktionsprogramms  zum Planungszeitpunkt entspricht. Im Rahmen einer ganzheitlichen Fabrikplanung werden verstärkt auch die indirekten Bereiche, wie z. B. Arbeitsvorbereitung, Qualitätskontrolle oder Instandhaltung, einbezogen. Für die Gesamtproduktivität in den Unternehmen erhalten die indirekten Bereiche zunehmend einen höheren Stellenwert. Aufgrund einer Zunahme kapitalintensiver Technologien und Fertigungsprozesse, sowie die stetige Verschiebung von direkten Tätigkeiten in indirekte Bereiche, verschärft die Situation. Lässt sich die Produktivitätsentwicklung in den direkten Bereichen oft nur noch mit kleinen Zuwächsen realisieren, so können in den indirekten Bereichen enorme Potenziale ausgeschöpft werden. Aufgrund dessen sind es gerade die indirekten Bereiche, denen zukünftig die höchsten Effizienzsteigungspotenziale attestiert werden.

Lean Administration

Für die Übertragung schlanker Prinzipien auf die indirekten Bereiche hat sich ein eigener Begriff etabliert: Lean Administration. Laqua führt ihn 2012 als Führungsprinzip ein, nicht als Werkzeugkasten — unter der Leitidee, dass Wertschöpfung Wertschätzung durch den Kunden ist.

Der Zweck ist derselbe wie in der Fertigung, das Feld ein anderes: Richtig angewandt versetze Lean Administration ein Unternehmen in die Lage, schneller, flexibler und effizienter auf sich permanent ändernde Markt- und Kundenanforderungen zu reagieren. Der Unterschied zur Fertigung liegt in der Sichtbarkeit — im indirekten Bereich sind weder Bestand noch Durchlaufzeit unmittelbar zu sehen, weshalb Verschwendung dort länger unentdeckt bleibt.

Wie sich die Größen dieser Bereiche rechnen lassen, behandelt die Dimensionierung indirekter Bereiche; die Systematik dahinter das Ganzheitliche Produktionssystem, das die indirekten Bereiche ausdrücklich einschließt. Zu den Verschwendungsarten siehe Verschwendung.

Quelle

Laqua, I. (2012): Lean-Administration — Die Suche nach der verlorenen Zeit. Ergänzend zur Dimensionierung: Broß, F.; Bräu, V.; Reinhart, G. (2017): Dimensionierung indirekter Bereiche in der Fabrikplanung. ZWF 112(6), S. 359–363.

Indirekte Bereiche im Projekt richtig anwenden

Indirekte Bereiche werden aus Aufgaben, Personal, Schichtmodell, Nähebeziehungen und betrieblichen Standards abgeleitet, nicht allein über pauschale Flächenkennwerte.

Vor der Anwendung von Indirekte Bereiche werden Ziel, Systemgrenze und gewünschte Entscheidung festgelegt. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu benachbarten Methoden und Systemen: Welche Prozesse gehören zur Betrachtung, welche Schnittstellen bleiben außerhalb und welche Kennzahlen zeigen eine Verbesserung? Diese Klärung verhindert, dass ein Begriff nur als Etikett verwendet wird oder Teiloptimierungen an anderer Stelle neue Probleme erzeugen.

Eine belastbare Bearbeitung von Indirekte Bereiche verbindet Ist-Daten mit dokumentierten Annahmen. Datenquellen, Bezugszeitraum, Einheiten und Ausnahmen müssen nachvollziehbar sein. Anschließend werden Varianten oder Maßnahmen anhand einheitlicher Kriterien verglichen. Neben Leistung und Kosten gehören dazu je nach Aufgabe Fläche, Bestand, Ergonomie, Qualität, Umsetzbarkeit, Risiko und Erweiterbarkeit.

Das Ergebnis der Anwendung von Indirekte Bereiche sollte eine konkrete Entscheidung oder einen überprüfbaren nächsten Schritt unterstützen. Verantwortlichkeit, Zielwert und Prüfzeitpunkt machen sichtbar, ob die erwartete Wirkung eintritt. Für die Übertragung auf eine reale Aufgabenstellung lässt sich der Begriff mit den passenden Angeboten aus Beratung, Planung, Optimierung und digitaler Bestandsaufnahme verbinden.

Indirekte Bereiche in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.