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Lean Management

Lean Management ist eine Unternehmensphilosophie, die darauf abzielt, die Wertschöpfung für den Kunden zu maximieren und gleichzeitig die Verschwendung zu minimieren1. Der Begriff Lean Management wurde in den 1980er Jahren geprägt, als eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) das Produktionssystem von Toyota2 analysierte und als überlegen gegenüber dem traditionellen Massenproduktionssystem erkannte. Lean Management ist somit eine ganzheitliche und dynamische Strategie, die eine kontinuierliche Verbesserung der Qualität, Kosten, Lieferzeit und Flexibilität anstrebt, indem sie die Mitarbeiter einbezieht, die Kundenbedürfnisse erfüllt und die Verschwendung eliminiert.

Grundgedanken und Prinzipien des Lean Managements

Das Lean Management basiert auf fünf grundlegenden Leitgedanken, die die Denkweise der Mitarbeiter prägen sollen. Diese sind proaktives, sensitives, ganzheitliches, potential- und ökonomisches Denken. Proaktives Denken bedeutet, dass die Mitarbeiter vorausschauend handeln, ihre Handlungen umfassend vorbereiten und sich an den Prozessen statt an den Ergebnissen orientieren. Sensitives Denken bedeutet, dass die Mitarbeiter offen für Informationen von innen und außen sind, alle Sinne nutzen, Gefühle und Stimmungen akzeptieren und Störungen als Anregungen zur Entwicklung sehen.

Ganzheitliches Denken bedeutet, dass die Mitarbeiter das Gesamtsystem im Blick haben, den Wert ihrer Handlung nach dem Nutzen für das System beurteilen, die Kräfte des Ganzen nutzen und Netzwerke statt dualer Beziehungen aufbauen. Potentialdenken bedeutet, dass die Mitarbeiter die Ressourcen von sich selbst, den Lieferanten, den Kunden und den Wettbewerbern nutzen, die Trennung von Denken und Arbeiten aufheben, Fehlleistungen eliminieren, gleichgerichtete Interessen schaffen und den gemeinsam erzielten Nutzen fair teilen. Ökonomisches Denken bedeutet, dass die Mitarbeiter alle nicht wertschöpfenden Tätigkeiten als Verschwendung definieren, sparsam nach innen, aber nicht vor dem Kunden handeln und Konflikte vermeiden, da sie Kosten bedeuten.

Aus diesen Leitgedanken lassen sich zehn Prinzipien ableiten, die die praktische Umsetzung des Lean Managements leiten sollen. Diese sind die Ausrichtung aller Tätigkeiten auf den Kunden, die Konzentration auf die eigenen Stärken, die Optimierung der Geschäftsprozesse, die ständige Verbesserung der Qualität, die interne Kundenorientierung als Leitprinzip, die Eigenverantwortung, Empowerment und Teamarbeit der Mitarbeiter, die dezentrale, kundenorientierte Strukturen, das Führen als Service am Mitarbeiter, die offene Information und Feedback-Prozesse und der Einstellungs- und Kulturwandel im Unternehmen. Diese Prinzipien sollen dazu beitragen, dass das Unternehmen eine hohe Kundenzufriedenheit, eine hohe Mitarbeitermotivation, eine hohe Prozesseffizienz und eine hohe Innovationsfähigkeit erreicht.

Die acht Arten der Verschwendung in Prozessen

Das Lean Management zielt darauf ab, die Verschwendung in allen Prozessen zu identifizieren und zu eliminieren. Verschwendung ist alles, was keinen Wert für den Kunden schafft oder nicht notwendig ist, um den Prozess zu erfüllen. Die acht Arten der Verschwendung in Prozessen sind unsynchronisierte Prozesse, Wartezeiten, Informationsbestände, nicht verzahnte Systeme, Über- und Unterspezifikation, mängelbehaftete Informationen, ungenutztes Wissen und Doppelarbeit. Unsynchronisierte Prozesse sind solche, die nicht aufeinander abgestimmt sind, was zu häufigen Änderungen, Budget- und Zeitüberschreitungen führt. Wartezeiten sind solche, die durch intransparente Prozesse entstehen, was zu Wartezeiten von Personen, Systemen oder anderen Prozessen führt. Informationsbestände sind solche, die überflüssige Informationen enthalten, die den Prozess verkomplizieren und dem Kundennutzen nicht zuträglich sind. Nicht verzahnte Systeme sind solche, die Akteure und Handlungen beinhalten, die nicht aufeinander abgestimmt sind, was zu Ineffizienzen in den Abläufen führt.

Über- und Unterspezifikation ist solche, die Produkte oder Mitarbeiter betrifft, die nicht den Anforderungen entsprechen, was zu Verschwendung von Ressourcen oder Potentialen führt. Mängelbehaftete Informationen sind solche, die unvollständig, fehlerhaft oder in einem zu geringen Reifegrad bei ihrem Empfänger ankommen, was zu weiteren Fehlern im Prozess führt. Ungenutztes Wissen ist solches, das von den beteiligten Akteuren eines Prozesses nicht genutzt wird, obwohl es dem Prozess hilfreich sein könnte. Doppelarbeit ist solche, die durch fehlende Abstimmung im System entsteht, was zu Neuerfindungen, unnötigen Nacharbeiten oder Änderungen führt.

Abgrenzung des Lean Management zu anderen Prinzipien

Lean Production ist ein Begriff, der oft synonym mit Lean Management verwendet wird, aber eigentlich nur einen Teilaspekt davon darstellt. Lean Production bezieht sich speziell auf die Anwendung von schlanken Prinzipien und Methoden in der Produktion, um die Produktivität, Qualität und Flexibilität zu steigern und die Kosten, Bestände und Durchlaufzeiten zu senken. Lean Production umfasst unter anderem Konzepte wie Fließfertigung, Pull-Prinzip, Just-in-time, Kanban, Poka Yoke, 5S, Kaizen, Wertstromanalyse oder Total Productive Maintenance. Lean Production ist stark inspiriert vom Toyota-Produktionssystem, das als Vorreiter und Vorbild für die schlanke Produktion gilt.

Das Toyota-Produktionssystem ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung, die auf den Ideen von Taiichi Ohno und Kiichiro Toyoda basierte, die in den 1950er und 1960er Jahren in Japan eine flexible und kundenorientierte Fertigung einführten. Das Toyota-Produktionssystem basiert auf zwei zentralen Prinzipien: Jidoka und Just-in-time. Jidoka bedeutet, dass die Qualität in den Prozess integriert ist und dass jeder Mitarbeiter oder jede Maschine die Produktion stoppen kann, wenn ein Fehler auftritt. Just-in-time bedeutet, dass die Produktion nur auf den tatsächlichen Kundenbedarf reagiert und dass die Material- und Informationsflüsse kontinuierlich und synchronisiert sind. Das Toyota-Produktionssystem verfolgt das Ziel, die Verschwendung zu eliminieren und die Wertschöpfung zu maximieren, indem es die Mitarbeiter einbezieht, die Kundenbedürfnisse erfüllt und die ständige Verbesserung anstrebt.

Einzelnachweise

1 Yazici, T. (2007): Lean Management – Unterschiede zu anderen Unternehmensführungskonzepten, Grin Verlag, ISBN 9783593399294

2 Ohno, T. (1993): Das Toyota-Produktionssystem, Campus Verlag, Frankfurt a. M., New York, ISBN 9783593399294