Glossar

Einschwingphase der Simulation (Aufwärmphase)

Die Einschwingphase ist der Anlaufzeitraum eines Simulationslaufs, in dem das Modell noch nicht den eingeschwungenen Zustand zeigt; sie wird bestimmt, dokumentiert und aus der Auswertung ausgeklammert.

Warum es sie gibt

Ein Simulationsmodell startet leer oder mit einer angenommenen Anfangsbelegung. Bestände, Warteschlangen und Auslastungen brauchen Modellzeit, bis sie das typische Verhalten des Systems zeigen. Werden die Anlaufwerte mitgezählt, verzerren sie Durchsatz-, Bestands- und Durchlaufzeitkennzahlen — die Einschwingphase (auch Aufwärmphase) wird deshalb aus der Auswertung ausgeklammert.

Anforderungen an die Studie

Das Einschwingverhalten eines Modells ist zu dokumentieren — einschließlich der Verfahren und Kenngrößen, mit denen die Länge der Einschwingphase im konkreten Fall bestimmt wird. Wird angenommen, dass ein Modell kein Einschwingverhalten aufweist, ist diese Annahme zu begründen. Ergebnisse, die Einschwingzeiten nicht berücksichtigen, gelten nicht als belastbar (Rabe/Spieckermann/Wenzel 2008, im Rahmen der VDI 3633).

Bestimmung in der Praxis

  1. Kenngrößenverläufe über der Modellzeit aufzeichnen, etwa Bestände oder Durchlaufzeiten, und mit gleitenden Mitteln glätten.
  2. Abschneidezeitpunkt festlegen, ab dem der Verlauf in ein stabiles Band einläuft.
  3. Ausreichende Restlaufzeit nach dem Abschneiden und unabhängige Replikationen einplanen — beides gehört in den Experimentplan.

Die statistische Absicherung der Ergebnisse übernimmt das Konfidenzintervall; den Rahmen beschreiben die Simulationsstudie und die Materialflusssimulation.

Kennzahl Modellzeit Ende Einschwingphase (abschneiden) Anlauf — nicht auswerten eingeschwungener Zustand — Auswertungszeitraum
Einschwingphase eines Simulationslaufs — eigene Darstellung.

Einschwingphase der Simulation in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.

FAQ

Häufige Fragen

Was passiert, wenn die Einschwingphase nicht abgeschnitten wird?

Anlaufwerte fließen in die Kennzahlen ein und verzerren Durchsatz, Bestände und Durchlaufzeiten — die Ergebnisse überzeichnen oder unterschätzen das reale Systemverhalten.

Wie bestimmt man die Länge der Einschwingphase?

Über Kenngrößenverläufe über der Modellzeit, etwa mit gleitenden Mitteln: Der Abschneidezeitpunkt liegt dort, wo der Verlauf in ein stabiles Band einläuft. Verfahren und Kenngrößen werden dokumentiert.

Gilt die Einschwingphase auch für terminierende Simulationen?

Bei terminierenden Studien mit definiertem Start- und Endzustand entfällt das Abschneiden; die Anfangsbedingungen sind dann Teil der Fragestellung, und die Annahme wird begründet.