Glossar

Bestandsoptimierung – Ziele und Stellhebel

Unter einer Bestandoptimierung versteht man die Möglichkeit zur Steuerung von Beständen.

Bestandsoptimierung bezeichnet die zielgerichtete Einstellung von Lagerbeständen zwischen Lieferfähigkeit und Kapitalbindung. Gegenstand der Bestandsoptimierung sind Sicherheitsbestände, Losgrößen, Wiederbeschaffungszeiten, Servicegrade und Dispositionsparameter. Bestandssenkung ist dabei kein Selbstzweck: Zielgröße ist der Bestand, der den vereinbarten Servicegrad bei vertretbarem Risiko und vertretbaren Prozesskosten absichert.

Sprich: Ein Unternehmen muss über die richtigen Bestände verfügen, damit die anvisierten Servicelevel erreicht werden können und gleichzeitig so wenig Kapital wie möglich im Bestand gebunden wird. Berücksichtigt werden müssen dabei die Volatilität in Bezug auf Angebot und Nachfrage. Wichtig zu wissen ist, dass eine Bestandsoptimierung ein laufender Prozess ist, der dauerhafte Beobachtungen und Justierungen nach sich zieht. Demnach ist das Ziel der Bestandsoptimierung, schwankende Marktbedarfe durch Steuerung und Planung der Wertschöpfungsprozesse abzudecken. Eine Bestandsoptimierungen ist zu jeder Zeit sinnvoll, ist jedoch von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Damit Bestände wirtschaftlich sinnvoll gesenkt werden können, muss bekannt sein, welche Faktoren auf die Bestände Einfluss nehmen. Da in vielen Unternehmen zahlreiche Gelder als gebundenes Kapital in den Beständen stecken, stehen diese Summen nicht für Investitionen zur Verfügung. In diesen Fällen kann eine Bestandsreduzierung zu einer Kostensenkung und gleichzeitig zu einer Freisetzung des Kapitals führen. Schon allein daran sehen Sie, dass eine Bestandsoptimierung immer sinnvoll ist.

Bestandsreduzierung in der Praxis

Lagerbestände sollten täglich analysiert, gesteuert und in der Folge optimiert werden. Um den optimalen Bestand herauszufinden, muss eine Absatzprognose erstellt werden – und das täglich für jeden Artikel. Dies geschieht durch Berechnung mit vorhandenen Daten. So werden der Lagerüberschuss und die überflüssigen Bestellungen angezeigt. Fehlmengen können dagegen über die Absatzprognose erkannt werden. Eine optimierte Auslieferung sorgt dafür, dass sich Lieferfähigkeit und Kundenservice verbessert und der Umsatz nachhaltig steigt. Besonders wichtig für die Bestandsoptimierung ist der dynamische Sicherheitsbestand, der mit Faktoren wie Servicezielen, Absatzrisiken, Lieferantenrisiken und Absatzentwicklungen einhergeht.

Optimale Bestände erreichen

Bestände brauchen Platz, und dieser Platz hat bauliche Grenzen. Welche Anforderungen die Lagertechnik an die Baukonstruktion stellt, beschreibt VDI 2686: Gebäudeform, Art der Baukonstruktion, Raumhöhe, Stützenraster und Fußboden ebenso wie Tore, Aufzüge und Gebäudetechnik. Für Brand- und Arbeitsschutz bleibt das geltende Recht maßgeblich. Die Wahl eines Lagerverwaltungssystems folgt dagegen der Bestands- und Prozessstrategie, nicht der Baukonstruktion.

Woraus ein Artikelbestand besteht

Der Bestand eines permanent geführten Artikels folgt einem sägezahnartigen Verlauf: Nachschubaufträge füllen ihn periodisch auf, Entnahmen bauen ihn sukzessive ab. Der Maximalbestand ist die Summe aus Sicherheitsbestand und Nachschubmenge; der Durchschnittsbestand ist Sicherheitsbestand plus halbe Nachschubmenge (Gudehus 2012, Kap. 16). Beide Größen sind direkte Stellhebel: Kleinere, häufigere Nachschübe senken den Durchschnittsbestand — gegen höhere Bestell- und Handlingskosten; der Sicherheitsbestand sichert die Lieferfähigkeit gegen Bedarfs- und Wiederbeschaffungsschwankungen. Den Zusammenhang von Bestand, Durchsatz und Durchlaufzeit beschreibt Little's Law.

Bestand Zeit Maximalbestand = Sicherheitsbestand + Nachschubmenge Durchschnitt = Sicherheitsbestand + ½ Nachschubmenge Sicherheitsbestand Nachschub Entnahmen
Bestandsverlauf eines permanent geführten Artikels — eigene Darstellung nach Gudehus (2012), Kap. 16.

Bestand bestimmt Fläche

Der Bestand wirkt unmittelbar auf den Lagerplatzbedarf — bei fester Lagerordnung über den Maximalbestand je Artikel, bei freier Lagerordnung über den Durchschnittsbestand aller Artikel (Gudehus 2012, Kap. 16). Deshalb gehört die Bestandsprüfung an den Anfang jeder Lagerplanung: Vor einem Neubau oder einer Erweiterung ist kritisch zu prüfen, ob die Bestandshöhen erforderlich sind und wie weit eine bessere Bestands- und Nachschubdisposition den Bedarf senkt (Gudehus 2012, Abschnitt 16.8). Zu unterscheiden sind dabei bedarfsgezogene Pull-Bestände und geplante Push-Bestände, etwa Saison- oder Aktionsware; ein Sonderfall der Bevorratung ist das Konsignationslager.

Bestandsoptimierung in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.

FAQ

Häufige Fragen

Woraus setzt sich der Bestand eines Artikels zusammen?

Der Maximalbestand ist die Summe aus Sicherheitsbestand und Nachschubmenge; im Durchschnitt liegt der Bestand beim Sicherheitsbestand plus der halben Nachschubmenge. Beide Größen sind die zentralen Stellhebel der Bestandsoptimierung.

Wie senkt man Bestände, ohne die Lieferfähigkeit zu gefährden?

Wirksam sind kleinere und häufigere Nachschübe, verlässlichere Wiederbeschaffungszeiten und eine Disposition, die Sicherheitsbestände je Artikel aus Bedarfsschwankung und Serviceanspruch ableitet statt pauschal zu setzen.

Was hat der Bestand mit dem Flächenbedarf zu tun?

Bei fester Lagerordnung bestimmt der Maximalbestand je Artikel den Platzbedarf, bei freier Lagerordnung der Durchschnittsbestand des Sortiments. Bestandsoptimierung ist damit der erste Schritt jeder Lagerplanung.

Wann lohnt sich Bestandsoptimierung besonders?

Vor jedem Lagerneubau und jeder Erweiterung: Erst wenn geklärt ist, welche Bestände wirklich nötig sind, steht der tatsächliche Kapazitätsbedarf des Lagers fest.