Es führt Bestände auf Lagerplatzebene und steuert die Arbeitsaufträge der Mitarbeitenden und der angebundenen Technik.
Aufgaben
Zu den Kernfunktionen gehören Lagerplatzverwaltung und Lagerplatzstrategien (z. B. chaotische Lagerhaltung), Wareneingangsabwicklung mit Qualitätsprüfung, Nachschubsteuerung, Kommissionierführung, Verpackung und Versandabwicklung, Inventurverfahren sowie die Verwaltung von Chargen, Seriennummern und Mindesthaltbarkeiten. Über Materialflussrechner-Funktionen oder Schnittstellen steuert das LVS automatisierte Technik wie Regalbediengeräte, Shuttlesysteme und fahrerlose Transportsysteme.
Abgrenzung zum ERP-Lagermodul
ERP-Systeme führen Bestände in der Regel auf Werks- oder Lagerortebene und bilden einfache Lagerprozesse ab. Ein LVS arbeitet auf Lagerplatz- und Ladeeinheitenebene, optimiert Wege und Reihenfolgen und steuert Technik in Echtzeit. Die Grenze ist fließend: Systeme wie SAP EWM sind funktional vollwertige Lagerverwaltungssysteme innerhalb einer ERP-Landschaft.
Auswahl und Einführung
Die Auswahl eines LVS ist weniger eine Software- als eine Prozessentscheidung: Lagerplatzstrategie, Kommissionierverfahren und Nachschublogik müssen definiert sein, bevor sie in einem System abgebildet werden. Üblich ist ein Vorgehen über Prozessaufnahme, Lastenheft, Ausschreibung und Testbetrieb. In der Praxis wird die Einführung eines Lagerverwaltungssystems gemeinsam mit der Lagerplanung betrachtet, weil Layout, Technik und Systemlogik voneinander abhängen.
Schnittstellen nach VDI 3969
An den Schnittstellen scheitern Lagerprojekte häufiger als an der Technik. VDI 3969 beschreibt sie für die Verbindung zwischen Lagerverwaltungssystem und übergeordnetem System — also zur Waren- und Materialwirtschaft, zum Vertrieb oder zur Fertigungsplanung. Die Richtlinie unterscheidet sechs logische Schnittstellen:
- Zugangserwartung — dem Lagerverwaltungssystem sollen nur Waren als Zugang angemeldet werden, die im vorgelagerten System bereits erwartet und bekannt sind, etwa aus der Bestellverwaltung.
- Zugangsmeldung — die Rückmeldung des tatsächlich eingetroffenen Zugangs.
- Bereitstellungsauftrag — umfasst Auslagerung und Kommissionierung. Ein Auftrag trägt eine oder mehrere Positionen, die sich auf Artikel oder andere beim Zugang vergebene Identitäten beziehen. Erzeugt werden diese Aufträge im übergeordneten System.
- Auftragsausführungsmeldung — die Rückmeldung, was tatsächlich bereitgestellt wurde.
- Änderungen der Warendaten — Korrekturen an Beständen und Wareneigenschaften.
- Stammdaten — die gemeinsame Datenbasis beider Systeme.
Eine Abgrenzung der Richtlinie ist für Lastenhefte wichtig: Sie behandelt die Schnittstelle nach oben. Materialflussrechner für die automatische Fördertechnik, Staplerleitsysteme, Wegeoptimierung und Kommissioniersysteme nennt sie als Subsysteme und Nachbarsysteme, deren Schnittstellen sie ausdrücklich nicht im Einzelnen behandelt. Wer ein Lastenheft schreibt, findet hier also die Verbindung zum ERP geordnet vor — die Verbindung zur Technik muss er selbst spezifizieren.
Den Umfang des Lagerverwaltungssystems selbst zieht die Richtlinie von der Wareneingangsrampe bis zur auftragsgerechten Bereitstellung an der Warenausgangsrampe: Wareneingangsabwicklung mit Qualitätskontrolle, Einlagerung mit Umpacken und Identifikationspunkt, Lagerverwaltung je Lagerplatz, lagerinterner Nachschub und Auslagerung.
Lagerverwaltungssystem im Projekt richtig anwenden
Ein Lagerverwaltungssystem muss Bestandsführung, Auftragslogik, Lagertechnik und Schnittstellen konsistent abbilden; die Softwareauswahl folgt deshalb dem Zielprozess.
Vor der Anwendung von Lagerverwaltungssystem werden Ziel, Systemgrenze und gewünschte Entscheidung festgelegt. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu benachbarten Methoden und Systemen: Welche Prozesse gehören zur Betrachtung, welche Schnittstellen bleiben außerhalb und welche Kennzahlen zeigen eine Verbesserung? Diese Klärung verhindert, dass ein Begriff nur als Etikett verwendet wird oder Teiloptimierungen an anderer Stelle neue Probleme erzeugen.
Eine belastbare Bearbeitung von Lagerverwaltungssystem verbindet Ist-Daten mit dokumentierten Annahmen. Datenquellen, Bezugszeitraum, Einheiten und Ausnahmen müssen nachvollziehbar sein. Anschließend werden Varianten oder Maßnahmen anhand einheitlicher Kriterien verglichen. Neben Leistung und Kosten gehören dazu je nach Aufgabe Fläche, Bestand, Ergonomie, Qualität, Umsetzbarkeit, Risiko und Erweiterbarkeit.
Das Ergebnis der Anwendung von Lagerverwaltungssystem sollte eine konkrete Entscheidung oder einen überprüfbaren nächsten Schritt unterstützen. Verantwortlichkeit, Zielwert und Prüfzeitpunkt machen sichtbar, ob die erwartete Wirkung eintritt. Für die Übertragung auf eine reale Aufgabenstellung lässt sich der Begriff mit den passenden Angeboten aus Beratung, Planung, Optimierung und digitaler Bestandsaufnahme verbinden.
Lagerverwaltungssystem in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.