Ein Konsignationslager ist ein Warenlager beim Abnehmer, dessen Bestand bis zur Entnahme im Eigentum des Lieferanten bleibt. Erst mit der Entnahme gehen Eigentum und Zahlungspflicht auf den Abnehmer über. Der Lieferant verantwortet Bestandsauffüllung und Verfügbarkeit, der Abnehmer stellt Fläche, Handling und Entnahmemeldung bereit.
Wie ein Konsignationslager funktioniert
Der Ablauf eines Konsignationslagers folgt einem wiederkehrenden Zyklus aus fünf Schritten:
- Rahmenvereinbarung: Lieferant und Abnehmer legen Artikelumfang, Lagerort, Mindest- und Höchstbestände, Preise, Haftung, Versicherung und Laufzeit fest.
- Erstbefüllung: Der Lieferant liefert die vereinbarte Menge an den Lagerort beim Abnehmer. Ein Verkauf findet zu diesem Zeitpunkt nicht statt; die Ware bleibt Eigentum des Lieferanten.
- Entnahme: Der Abnehmer entnimmt bedarfsgerecht. Mit der Entnahme gehen Eigentum, Gefahr und Zahlungspflicht über.
- Entnahmemeldung: Der Abnehmer meldet die Entnahme, üblicherweise systemgestützt über EDI, Lieferantenportal oder periodische Bestandsmeldung. Die Meldung ist die Abrechnungsgrundlage.
- Wiederauffüllung: Der Lieferant füllt auf Basis der gemeldeten Verbräuche und der vereinbarten Bestandsgrenzen nach. Der Zyklus beginnt erneut.
Entscheidend für die Funktionsfähigkeit ist die Qualität der Entnahmemeldung: Sie ist zugleich Abrechnungs- und Dispositionsgrundlage. Bleibt sie unvollständig oder verzögert, entstehen Bestandsdifferenzen und Fehlmengen.
Vorteile und Nachteile für den Abnehmer
Vorteile
- Hohe Versorgungssicherheit durch physisch verfügbaren Bestand vor Ort
- Kapitalbindung entsteht erst mit der Entnahme, nicht mit der Anlieferung
- Kurze Beschaffungszeit für die abgedeckten Artikel
- Geringerer Dispositionsaufwand, da die Auffüllung beim Lieferanten liegt
Nachteile
- Flächen-, Handling- und Inventuraufwand am eigenen Standort
- Aufbau und Pflege der Entnahmeerfassung, meist mit Systemanbindung
- Bindung an einen Lieferanten für die abgedeckten Artikel
- Haftungs- und Versicherungsfragen für fremde Ware im eigenen Lager
Vorteile und Nachteile für den Lieferanten
Vorteile
- Enge Kundenbindung und Präsenz direkt am Verbrauchsort
- Verbrauchstransparenz als Grundlage für die eigene Planung
- Wettbewerbsvorteil bei Artikeln, bei denen Verfügbarkeit entscheidet
Nachteile
- Kapitalbindung bleibt bis zur Entnahme beim Lieferanten
- Bestandsrisiko bei Überalterung, Auslauf oder ausbleibendem Abruf
- Aufwand für Bestandsüberwachung, Nachschub und Abstimmung
- Erschwerte Bestandskontrolle, da der Bestand physisch nicht im eigenen Zugriff liegt
- Falls mehrere Kunden gleichartige Produkte abnehmen, wirken Konsignationslager wie dezentrale Lager, was zu höheren Gesamtbeständen in der Distributionslogistik führt.
Konsignationslager oder Vendor Managed Inventory?
Beide Modelle verlagern die Nachschubverantwortung zum Lieferanten, unterscheiden sich aber in der Eigentumsfrage. Sie schließen einander nicht aus und werden häufig kombiniert.
| Merkmal | Konsignationslager | Vendor Managed Inventory (VMI) |
|---|---|---|
| Kernmerkmal | Eigentumsübergang erst bei Entnahme | Lieferant disponiert den Bestand des Abnehmers |
| Eigentum vor Entnahme | beim Lieferanten | in der Regel beim Abnehmer ab Anlieferung |
| Kapitalbindung vor Verbrauch | beim Lieferanten | beim Abnehmer |
| Auslöser der Abrechnung | gemeldete Entnahme | Anlieferung bzw. vereinbarter Rechnungslauf |
| Datengrundlage | Entnahme- und Bestandsmeldung | Bestands- und Bedarfsdaten des Abnehmers |
| Lagerort | beim Abnehmer | beim Abnehmer oder beim Lieferanten |
Die Kombination beider Modelle — der Lieferant disponiert und die Ware bleibt bis zur Entnahme sein Eigentum — wird in der Praxis als konsignationsbasiertes VMI bezeichnet. Weiterführend: Bestandsoptimierung, Supply Chain Management und Materialbereitstellung.
Dieses Modell wurde ursprünglich für den Außenhandel entwickelt, ist aber auch im Inland weit verbreitet.
Einrichtung und Rahmenbedingungen
Um ein Konsignationslager einzurichten, müssen Kunde und Lieferant die Einzelheiten in einem Rahmenvertrag festlegen. Dieser umfasst sowohl kaufmännische als auch logistische Aspekte.
Rahmenvertrag
Kaufmännischer Teil
Der kaufmännische Teil des Rahmenvertrags beinhaltet:
- Artikel
- Preis und Zahlungskonditionen der Produkte
- Eigentumsübergang
- Sanktionen bei fehlender Lieferfähigkeit
- Ort des Lagers und Übernahme der Lagerkosten
- Reklamationsprozess (z. B. bei Qualitätsmängeln)
- Laufzeit des Vertrags
Logistischer Teil
Der logistische Teil des Rahmenvertrags umfasst:
- Planmengen und maximale Entnahmemengen pro Tag oder pro Woche
- Maximaler Bestand und Sicherheitsbestand bzw. Reichweite
- Zugang des Lieferanten zum Konsignationslager (Bestandskontrolle, Auffüllen des Bestands)
- Registrierung und Meldung einer Entnahme
- Notfallstrategie
Erfassung der Entnahme
Es gibt verschiedene Systeme zur Erfassung der Entnahme durch den Kunden. Diese Systeme stellen sicher, dass der Bestand im Konsignationslager stets aktuell ist und Nachbestellungen rechtzeitig ausgelöst werden.
Ein-Behälter-System
Beim Ein-Behälter-System wird der entnommene Artikel gescannt, ähnlich wie an der Kasse eines Supermarktes. Alternativ kann eine Waage an jedem Lagerfach installiert werden, um die Entnahme automatisch zu erfassen. Diese Methode ist jedoch störanfällig und funktioniert nur bei ausreichend schweren Teilen.
Zwei- oder Mehr-Behälter-System
Das Zwei- oder Mehr-Behälter-System nutzt Kanban-Karten oder Barcodes, um die Entnahme zu registrieren. RFID-Sensorik (Radio Frequency Identification) kann ebenfalls verwendet werden, um die Identität und Position des Behälters zu erfassen und automatisch Bestellungen auszulösen.
Geeignete Produkte
Nur variantenarme Produkte mit kontinuierlichem und vorhersehbarem Verbrauch sind für Konsignationslager geeignet. Der Bestand muss die Zeit bis zur Nachlieferung und Nachfrage-Schwankungen überbrücken.
Konsignationslager in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.