Auf den Punkt
Im automatischen Kleinteilelager bedient ein Regalbediengerät je Gasse alle Ebenen in drei Achsen. Im Shuttle-System übernehmen Fahrzeuge je Ebene den Horizontaltransport, ein Lift den Vertikaltransport. Aus dieser Trennung folgen alle weiteren Unterschiede in Durchsatz, Skalierbarkeit, Verfügbarkeit und Aufwand.
Der eine Unterschied, aus dem alle anderen folgen
Beide Bauformen lagern leichte Stückgüter in normierten Ladehilfsmitteln — Behälter, Tablare, Kartons. Der Unterschied ist konstruktiv und hat Folgen für jede Kennzahl:
- Im automatischen Kleinteilelager (AKL) bedient je Gasse ein Regalbediengerät alle Ebenen. VDI 3630 typisiert diese Systeme über Lagermaschinen, die in der Regel in drei Achsen gesteuert werden. Horizontal- und Vertikalbewegung stecken damit im selben Gerät.
- Im Shuttle-System nach VDI 2692 Blatt 1 übernehmen Fahrzeuge je Ebene den Horizontaltransport, ein Lift den Vertikaltransport. Beide Bewegungen sind entkoppelt.
Entscheidungskriterien im Vergleich
| Kriterium | AKL | Shuttle-System |
|---|---|---|
| Bewegungsprinzip | Ein Gerät je Gasse, dreiachsig gesteuert | Fahrzeuge je Ebene plus Lift, entkoppelt |
| Durchsatz | Durch die Spielzeit des einen Geräts begrenzt | Über die Fahrzeugzahl skalierbar |
| Verhältnis Höhe zu Leistung | Mehr Höhe verlängert das Spiel | Höhe und Durchsatz weitgehend unabhängig |
| Ausfall eines Geräts | Die ganze Gasse steht | Eine Ebene steht, der Rest arbeitet weiter |
| Steuerung | Überschaubar, ein Gerät je Gasse | Aufwendiger: Verkehr, Priorität, Übergaben |
| Wartung | Wenige, große Einheiten | Viele Fahrzeuge, eigenes Wartungskonzept |
| Investition | Niedriger bei moderatem Durchsatz | Steigt mit der Fahrzeugzahl |
Zuerst der Anwendungsfall, dann die Bauform
VDI 3630 nennt für das AKL zwei typische Anwendungsfälle, und die Unterscheidung wirkt unmittelbar auf die Auslegung: Kommissioniersystem oder Puffersystem. Ein Puffer wird nach Durchsatzspitzen dimensioniert, ein Kommissioniersystem nach Positionen je Stunde. Wer diese Frage offen lässt, vergleicht zwei Angebote, die verschiedene Aufgaben lösen.
Dieselbe Reihenfolge gilt für die Bauform: Erst steht die geforderte Leistung über der Zeit, dann die Entscheidung. Ein Shuttle-System, das nur den Spitzenwert eines AKL erreicht, kostet mehr, ohne mehr zu leisten.
Unterschätzte Aufwände je Seite
Beim AKL wird die Abhängigkeit von Höhe und Spielzeit unterschätzt. Jeder zusätzliche Meter verlängert das Spiel und senkt den Durchsatz — die Lagerkapazität wächst, die Leistung nicht. Ebenso unterschätzt wird das Ausfallrisiko: Steht das Gerät, steht die Gasse.
Beim Shuttle-System werden Steuerung, Energieversorgung und Wartung unterschätzt. VDI 2692 Blatt 1 behandelt Energieversorgung, Kommunikation, Steuerungskonzept und Systemwartung in eigenen Abschnitten — nicht aus Gründlichkeit, sondern weil dort der Aufwand liegt. Dazu kommt der Lift: Er ist die neue Engstelle, wenn viele Ebenen gleichzeitig ausgelagert werden sollen.
Fünf Fragen für die Richtungsentscheidung
- Wie hoch ist die geforderte Leistung in der Spitze — und wie oft tritt sie auf?
- Kommissionieren oder puffern? Beides zugleich verlangt eine eigene Rechnung.
- Wie viel Höhe gibt das Gebäude her, und wie viel davon zahlt sich in Leistung aus?
- Was kostet ein Gassenausfall im Betrieb — in Stunden und in Aufträgen?
- Wer betreibt die Anlage später, und mit welchem Wartungskonzept?
Grundlage
VDI 3630 „Automatische Kleinteilelager (AKL)“, Ausgabe 2006-08, sowie VDI 2692 Blatt 1 „Shuttle-Systeme für kleine Ladeeinheiten“, Ausgabe 2015-03. Beide Ausgabestände wurden am 05.09.2026 in der VDI-Richtlinienliste bestätigt. Die Spielzeitrechnung behandelt Spielzeit nach FEM 9.851.