Glossar

Object-Centric Process Mining (OCPM)

analysiert Ereignisse über mehrere miteinander verbundene Geschäftsobjekte und vermeidet die erzwungene Reduktion auf eine einzige Case-ID.

Was ist Object-Centric Process Mining?

Object-Centric Process Mining ordnet ein Ereignis einem oder mehreren Geschäftsobjekten zu. Statt alle Abläufe in eine einzige Case-ID zu pressen, bleiben Beziehungen zwischen beispielsweise Kundenauftrag, Bestellung, Material, Charge, Handling Unit und Lieferung erhalten.

Warum reicht eine Case-ID nicht immer?

Ein Auftrag kann mehrere Positionen enthalten, eine Lieferung mehrere Aufträge bündeln und ein Material in verschiedene Chargen oder Ladungsträger übergehen. Wird jedes Objekt als eigener Fall betrachtet, werden gemeinsame Ereignisse dupliziert. Wird nur ein Objekt gewählt, verschwinden andere Beziehungen. Beide Varianten können Häufigkeiten, Durchlaufzeiten und Varianten verzerren.

Objektzentriertes Ereignismodell

Ereignisse besitzen Aktivität und Zeitbezug und verweisen auf die beteiligten Objekte mit ihrem Typ. Objektbeziehungen und Änderungen bleiben nachvollziehbar. Die Analyse kann anschließend entlang eines Objekttyps erfolgen oder das Zusammenspiel mehrerer Typen untersuchen.

Typische industrielle Anwendungen

  • Order-to-Cash mit Auftrag, Position, Lieferung und Rechnung
  • Produktion mit Auftrag, Material, Charge und Ressource
  • Intralogistik mit Transportauftrag, Handling Unit und Fahrzeug
  • Instandhaltung mit Anlage, Meldung, Auftrag und Ersatzteil

Voraussetzungen und Grenzen

OCPM löst kein schlechtes Datenverständnis automatisch. Objektidentitäten, Lebenszyklen, Beziehungen und Zeitsemantik müssen fachlich geklärt werden. Die komplexere Sicht wird nur eingesetzt, wenn sie eine konkrete Analysefrage besser beantwortet als ein klassischer Event Log.

Object-Centric Process Mining im Projekt richtig anwenden

Object-Centric Process Mining ist besonders relevant, wenn Aufträge, Materialien, Chargen und Lieferungen in einer Analyse gemeinsam betrachtet werden müssen.

Vor der Anwendung von Object-Centric Process Mining werden Ziel, Systemgrenze und gewünschte Entscheidung festgelegt. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu benachbarten Methoden und Systemen: Welche Prozesse gehören zur Betrachtung, welche Schnittstellen bleiben außerhalb und welche Kennzahlen zeigen eine Verbesserung? Diese Klärung verhindert, dass ein Begriff nur als Etikett verwendet wird oder Teiloptimierungen an anderer Stelle neue Probleme erzeugen.

Eine belastbare Bearbeitung von Object-Centric Process Mining verbindet Ist-Daten mit dokumentierten Annahmen. Datenquellen, Bezugszeitraum, Einheiten und Ausnahmen müssen nachvollziehbar sein. Anschließend werden Varianten oder Maßnahmen anhand einheitlicher Kriterien verglichen. Neben Leistung und Kosten gehören dazu je nach Aufgabe Fläche, Bestand, Ergonomie, Qualität, Umsetzbarkeit, Risiko und Erweiterbarkeit.

Das Ergebnis der Anwendung von Object-Centric Process Mining sollte eine konkrete Entscheidung oder einen überprüfbaren nächsten Schritt unterstützen. Verantwortlichkeit, Zielwert und Prüfzeitpunkt machen sichtbar, ob die erwartete Wirkung eintritt. Für die Übertragung auf eine reale Aufgabenstellung können Sie den Begriff mit den passenden Angeboten aus Beratung, Planung, Optimierung und digitaler Bestandsaufnahme verbinden.

Object-Centric Process Mining in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.