Die Definition wird durch Beispiele für getaktete Routenzüge und wiederkehrende Versorgungsrunden konkretisiert.
Ein Unternehmen legt dazu nach bestimmten Faktoren eine Route fest. Die Stationen entlang der Route werden immer zu festen Zeiten angefahren. Dann werden an jeder Station Güter entgegengenommen und/oder abgeliefert. Das reduziert die Anzahl der Transporte.
Das Milkrun-Konzept der Logistik ist an die traditionellen Milchlieferanten in den USA und England angelehnt. Sie fuhren die Haushalte auf einer festen Route an. Dabei stellten sie die frischen Milchflaschen vor die Tür und nahmen die leeren Milchflaschen gleich mit.
Ein Milkrun kann zwischen mehreren Betrieben (überbetrieblich) oder in nur einem Betrieb (innerbetrieblich) erfolgen. Beim überbetrieblichen Milkrun System beauftragt ein Unternehmen ein Transportunternehmen. Das fährt dann innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums verschiedene Lieferanten an. Dort holt es Güter und bringt sie zum Ausgangsort der Tour zurück. Außerdem ist es möglich, dass das Unternehmen Güter oder Material vom Ausgangsort mitnimmt und bei den Kunden abliefert. Es ist also ein Kreislauf, der immer wieder von vorne beginnt. Das reduziert die Lagerdauer. Außerdem ist der LKW immer maximal gefüllt und hat weniger Leerfahrten.
Das Milkrun System kann aber auch innerbetrieblich angewandt werden. Dabei werden oft benötigte Bedarfsgüter in regelmäßigen Abständen an den entsprechenden Arbeitsort gebracht. Ein Beispiel dafür wären Schrauben bei einem Autohersteller. Gleichzeitig werden leere Behältnisse und Verpackungsmaterial mitgenommen und entsorgt. Die kontinuierliche Versorgung und Entsorgung spart Zeit und reduziert Transportwege.
Einordnung in die Lieferstrategie
Der Milkrun ist eine Form der Transportsteuerung und damit ein Ergebniselement der Lieferbeziehung. VDI 4404 „Lieferstrategien in der Logistik“ (Ausgabe 2007-06) ordnet das Feld in Anforderungselemente — Verbraucher, Produkt, Hersteller — und Ergebniselemente: Belieferungsform, Transport und Information. Zum Transport zählen dort Transportsteuerung, Transportmittel und Transporteinheit.
Praktisch heißt das: Ein Milkrun wird nicht für sich entschieden, sondern gemeinsam mit der Belieferungsform. Welche vier Formen die Richtlinie unterscheidet — Direktbelieferung, Cross-Docking, Transshipment und Logistikzentrum — behandelt der Begriff Beschaffung.
Milkrun im Projekt richtig anwenden
Ein Milkrun benötigt verlässliche Bedarfe, definierte Behälter, passende Routenzeiten und Regeln für Abweichungen; erst dann lassen sich Fahrzeuge und Umläufe dimensionieren.
Vor der Anwendung von Milkrun werden Ziel, Systemgrenze und gewünschte Entscheidung festgelegt. Ebenso wichtig ist die Abgrenzung zu benachbarten Methoden und Systemen: Welche Prozesse gehören zur Betrachtung, welche Schnittstellen bleiben außerhalb und welche Kennzahlen zeigen eine Verbesserung? Diese Klärung verhindert, dass ein Begriff nur als Etikett verwendet wird oder Teiloptimierungen an anderer Stelle neue Probleme erzeugen.
Eine belastbare Bearbeitung von Milkrun verbindet Ist-Daten mit dokumentierten Annahmen. Datenquellen, Bezugszeitraum, Einheiten und Ausnahmen müssen nachvollziehbar sein. Anschließend werden Varianten oder Maßnahmen anhand einheitlicher Kriterien verglichen. Neben Leistung und Kosten gehören dazu je nach Aufgabe Fläche, Bestand, Ergonomie, Qualität, Umsetzbarkeit, Risiko und Erweiterbarkeit.
Das Ergebnis der Anwendung von Milkrun sollte eine konkrete Entscheidung oder einen überprüfbaren nächsten Schritt unterstützen. Verantwortlichkeit, Zielwert und Prüfzeitpunkt machen sichtbar, ob die erwartete Wirkung eintritt. Für die Übertragung auf eine reale Aufgabenstellung lässt sich der Begriff mit den passenden Angeboten aus Beratung, Planung, Optimierung und digitaler Bestandsaufnahme verbinden.
Milkrun in der Praxis: Die passenden Planungs- und Beratungsansätze bündelt unsere Leistungsübersicht.